Zukunftssorgen

Zukunftssorgen

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Die Ungewissheit der Zukunft macht mir gelegentlich Angst. Bei mir liegt das an geplanten Veränderungen. Wenn ich nichts ändern würde, müsste ich mir keine Sorgen machen. Dann würde alles bleiben, wie es ist. Doch genau das ist ja das Problem. Ich wünsche mir in meinem Leben Veränderung und dennoch möchte ich mir die Sicherheit, die mir das momentane Leben bietet, nicht zurücklassen. 
Doch das geht natürlich nicht. Jeder Neuanfang ist mit gewissen Risiken verbunden. Ein Wandel bedeutet immer, dass etwas anders wird. Man gibt nicht nur das auf, was einen stört, auch gewisse Sicherheiten wie einen sicheren, wenn auch unbefriedigenden Job oder eine vertraute Umgebung lässt man zurück, wenn man sich neu ausrichtet.

Sollte man sich daher lieber in Sicherheit wiegen und das Leben einfach so an sich vorbeirauschen lassen in der Gewissheit, dass es ansonsten ja gefährlich wäre? Die Bibel erzählt dazu eine eindrückliche Geschichte:
Das Volk Israel lebt seit Jahrhunderten in Ägypten. Trotz des über Generationen währenden Aufenthalts sind sie immer noch Fremde in diesem Land. Sie sind nicht heimisch geworden. Noch schlimmer, sie werden als Sklaven gehalten, müssen die Drecksarbeit für die Ägypter erledigen. Sonderlich zufrieden sind sie mit dieser Situation nicht.
Doch als eines Tages ein gewisser Mose auftaucht und ihnen erzählt, dass er sie nun aus der Sklaverei befreien und in ein neues Land, das Gott ihnen zugedacht hat, führen wird, hält sich die Begeisterung in Grenzen. Irgendwie gelingt es Mose, die murrenden Israeliten dazu zu motivieren, sich aufzuraffen und in eine ungewisse Zukunft zu starten.

Doch die bald spüren bald: Die Vergangenheit verfolgt uns. Sie bekommen es mit der Angst zu tun: „Als der Pharao näher kam, blickten die Israeliten auf und sahen: Die Ägypter rückten hinter ihnen heran! Da bekamen die Israeliten große Angst und schrien zum Herrn um Hilfe. Sie beklagten sich bei Mose: »Gab es denn keine Gräber in Ägypten? Hast du uns in die Wüste gebracht, damit wir hier sterben? Wie konntest du uns aus Ägypten führen! Haben wir nicht schon in Ägypten zu dir gesagt: Lass uns in Ruhe! Wir wollen lieber den Ägyptern dienen! Es ist besser, dass wir in Ägypten Sklaven sind, als in der Wüste zu sterben«“ (2. Mose 14,10ff.).

Mit Gottes Hilfe gelingt es Mose, die Israeliten zu retten. Er führt sie trockenen Fusses durch das Rote Meer. Die Vergangenheit, die sie verfolgt, wird im Meer ersäuft: „Mose streckte die Hand aus über das Meer. Da flutete das Wasser gegen Morgen wieder zurück. Die Ägypter aber flohen dem Wasser entgegen. So stürzte der Herr die Ägypter mitten ins Meer. Das Wasser flutete zurück und bedeckte Wagen und Reiter. Das ganze Heer, das dem Pharao folgte, ging unter. Kein Einziger von ihnen blieb am Leben“ (2. Mose 14,27ff.). 

Die Angst vor der Vergangenheit wird ausgelöscht und dem Volk Israel so der Weg in eine strahlende Zukunft eröffnet. Sieg taumelnd zieht das Volk weiter. Nun, so denkt es, kann es nichts mehr aufhalten. Nun werden sie schnurstracks in das verheissene Land ziehen. 
Doch so einfach geht es nicht. Immer wieder zweifelt das Volk. Auf dem Weg in die Zukunft läuft es eben nicht wie am Schnürchen. Immer wieder gilt es für die Zukunft zu kämpfen. Da fühlt sich das Volk wie in einer Wüste gefangen, hat Angst zu verdursten. Immer wieder Bedarf es des Eingreifen des Mose und Gottes. Aus einem Stein lässt Gott Wasser sprudeln, gibt dem Volk die Kraft, den nächsten Schritt zu gehen. 

Immer wieder wird das Volk Israel von anderen Völkern angegriffen oder behindert. Es gibt eben noch mehr Menschen, die sich auf den Weg in Richtung Zukunft machen. Und alle haben Angst, das, was in der Zukunft auf sie wartet, teilen zu müssen.

40 Jahre muss das Volk letztendlich durch die Wüste ziehen. Doch dann erreichen sie das verheissene Land. Sie haben es geschafft. Sie erobern die Zukunft. Doch auch dort müssen sie feststellen: Es ist nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Auch in der Zukunft angekommen sind sie noch nicht am Ziel. Sie müssen immer wieder dafür kämpfen, das Erreichte zu sichern. Und selbstverständlich setzen sich die Israeliten neue Ziele, die wieder erreicht werden wollen. Die Zukunft liegt eben immer vor einem. Sobald man angekommen ist, muss man den nächsten Schritt tun.

Kurz gesagt: Das Leben ist kein Ponyhof. Doch es lohnt sich, das Leben in Angriff zu nehmen und sich auf den Weg in Richtung Zukunft zu machen. Wer rastet, der rostet. Stehenbleiben bedeutet den Tod.
Ich gehe hoffnungsvoll in die Zukunft. Zugleich bin ich mir bewusst, dass der Weg nicht einfach ist. Es wird immer wieder Rückschläge zu verkraften geben. Es ist eben nicht wie in diesen wunderbaren Lebensberatern, die gerade so in sind. Eine Entscheidung reicht nicht aus. Jeder muss immer wieder für seine Zukunft kämpfen. Und es lohnt sich dranzubleiben, auch wenn man 40 Jahre durch die Wüste irrt, bevor Land in Sicht kommt. Denn die Zukunft ist verheissungsvoll, auch wenn sie am Ende anders aussieht, als wir sie uns erträumt haben.

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