Von der Leichtigkeit des Lebens

Von der Leichtigkeit des Lebens

  • Beitrags-Kommentare:0 Kommentare

Einmal hatte ich eine Taufe. Während des gesamten Gottesdienstes sind mehrere Kleinkinder immer wieder nach vorne gekommen und mir um die Beine gewuselt. Zudem war es die ganze Zeit ziemlich laut, natürlich auch während der Taufansprache. Ich habe mich davon nicht beeindrucken lassen und „mein Programm“ durchgezogen. Nach dem Gottesdienst fragte ein Gemeindeglied, wie ich in solch einer Situation so ruhig bleiben könnte. „Na ja“, habe ich geantwortet, „wenn ich mir nun einbilden würde, dass ich ein ganz besonders wichtiger Menschen bin und so bedeutende Worte machen würde, dass den Zuhörern gewaltiger Schaden entstünde, wenn sie auch nur eines verpassten, dann hätte ich mich heute wohl schon ziemlich aufregen müssen. Nun sehe ich es allerdings so, dass wir hier ein schönes Fest gefeiert haben. Da hatte ich auch meinen Anteil dran, aber das Wichtige ist das Gesamtpaket. Ich denke, für die Familien war es so stimmig…“

Ich glaube, dass es ganz essenziell ist, das Leben und sich selbst nicht zu ernst zu nehmen. Ich bin zwar schon davon überzeugt, dass ich meine Berufung, – das Gestalten von Gottesdiensten und freien Zeremonien – wunderbar lebe. Doch dieses „wunderbar“ kommt doch gerade daher, dass ich mich selbst nicht für wichtiger nehme als die Gesamtsituation. 

Manchmal ist es wichtig, über sich selbst und über seine eigenen Einstellungen und ganz besonders über das, was einem wichtig ist, zu lachen.

Treffend bringt es der antike Philosoph Epiktet auf den Punkt: „Wenn dir jemand berichtet, dass ein anderer schlecht über dich redet, verteidige dich nicht, sondern antworte nur: ´Offensichtlich kannte er meine anderen Fehler nicht, sonst hätte er sie ebenfalls erwähnt`.“

Ich bin mir bewusst, dass ich kein perfekter Mensch bin. Und deshalb kann ich auch über Missgeschicke lachen, von denen ich eigentlich meine, dass sie mir nicht passieren sollten. Ich mache mich teilweise selbst über meine politischen und religiösen Ansichten lustig, auch wenn mir diese an sich ziemlich wichtig sind. Sie sind mir wichtig und prägen mich, sind mir aber nicht heilig.
Das ist wohl das Schlimmste, was einem passieren kann, dass ihm irgendetwas so heilig ist, dass man nicht darüber lachen darf. Da kann man sich wirklich das ganze Leben vermiesen. Denn sobald irgendjemand auch nur ansatzweise etwas Falsches sagt, rast man innerlich. Und das versaut einem doch das ganze Leben. 

Um jetzt noch etwas religiös zu werden: Vermutlich erfreut es den Herrn Jesus mehr, wenn mir meine religiösen Überzeugungen im Leben helfen und ich auch mal über ihn lache, als wenn ich mit ernstem Gesichtsausdruck andere Menschen von der Wichtig- und Richtigkeit des Christentums zu überzeugen versuche. 

Jede Überzeugung mag sie nun religiöser, politischer oder philosophischer Natur sein, wird in dem Moment, in dem ich sie absolut setze und nicht mehr lachen kann, lebenshinderlich.

Darum nehme ich das Leben lieber nicht zu ernst. Das hatte der liebe Gott vermutlich auch nicht so geplant, sonst hätte er mich nicht so verpeilt und unkonventionell geschaffen…

Schreibe einen Kommentar