Vertrauen ins Leben

Vertrauen ins Leben

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Wusstest du, dass es eine europäische Märchengesellschaft gibt? Habe ich neulich im Radio gehört. Die Mitglieder treffen sich einmal im Jahr und diskutieren wichtige Themen wie „Die Sinne im Märchen“. Klingt zwar nicht sonderlich relevant, aber nach jeder Menge Spass.

Na ja, als ich neulich so über mein Leben nachgedacht habe, dachte ich so für mich, dass Märchen doch etwas mit meinem Leben zu tun haben könnten.

Zum Thema „Umgang mit Unsicherheiten“ ist mir das Märchen von Sterntaler in den Sinn gekommen:
„Es war einmal ein kleines Mädchen, dem war Vater und Mutter gestorben, und es war so arm, dass es kein Kämmerchen mehr hatte, darin zu wohnen, und kein Bettchen mehr hatte, darin zu schlafen, und endlich gar nichts mehr als die Kleider auf dem Leib und ein Stückchen Brot in der Hand, das ihm ein mitleidiges Herz geschenkt hatte. Es war aber gut und fromm. Und weil es so von aller Welt verlassen war, ging es im Vertrauen auf den lieben Gott hinaus ins Feld.
Da begegnete ihm ein armer Mann, der sprach: “Ach, gib mir etwas zu essen, ich bin so hungrig.” Es reichte ihm das ganze Stückchen Brot und sagte: “Gott segne dir’s,” und ging weiter. Da kam ein Kind, das jammerte und sprach: “Es friert mich so an meinem Kopfe, schenk mir etwas, womit ich ihn bedecken kann.” Da tat es seine Mütze ab und gab sie ihm. Und als es noch eine Weile gegangen war, kam wieder ein Kind und hatte kein Leibchen an und fror: da gab es ihm seins; und noch weiter, da bat eins um ein Röcklein, das gab es auch von sich hin. Endlich gelangte es in einen Wald, und es war schon dunkel geworden, da kam noch eins und bat um ein Hemdlein, und das fromme Mädchen dachte: “Es ist dunkle Nacht, da sieht dich niemand, du kannst wohl dein Hemd weggeben,” und zog das Hemd ab und gab es auch noch hin.
Und wie es so stand und gar nichts mehr hatte, fielen auf einmal die Sterne vom Himmel, und waren lauter blanke Taler; und ob es gleich sein Hemdlein weggegeben, so hatte es ein neues an, und das war vom allerfeinsten Linnen. Da sammelte es sich die Taler hinein und war reich für sein Lebtag.“

Das Mädchen ist total mutig. Es hat Vertrauen „auf den lieben Gott“ und so geht es seinen Lebensweg, der nicht gerade verheissungsvoll winkt. Und dennoch bleibt sie dran. Sie schmeisst ihr Vertrauen nicht weg, sondern gibt noch das Wenige, das sie hat, anderen. Dabei wirkt das Mädchen ziemlich naiv: “Es ist dunkle Nacht, da sieht dich niemand, du kannst wohl dein Hemd weggeben”. Ja, super schon mal dran gedacht, dass es auch ein Morgen gibt und da sieht dann jeder, dass du nackt dastehst… So weit denkt das Mädchen nicht. So weit muss es auch nicht denken, da es im Vertrauen lebt: „Das Leben wird es schon richten.“

Ja, wie kleingläubig bin ich da mit meinen Luxusproblemen? Wie oft zweifle ich daran, ob meine Entscheidungen richtig sind. Wie oft gehe ich lieber auf Nummer Sicher. Kündige den nervigen Job nicht, sage nicht deutlich meine Meinung, denn was denken denn da die anderen… Im Gegensatz zu dem Mädchen aus dem Märchen denke ich ständig an morgen, an das, was noch kommt. Mir fällt es schwer, zu vertrauen. Es ist für mich nicht einfach, mich dem Leben oder „dem lieben Gott“ anzuvertrauen. 

Ich bin immer noch so blöd, dass ich meine, mein Leben planen zu können. Doch ganz ehrlich letzten Endes ist das Leben immer unverfügbar. Ich könnte einen festen Job haben, der mich zufriedenstellt und die glücklichste Ehe führen sowie die wohlerzogensten Kinder haben. Und dann würde ich eines Morgens aufwachen, Ziehen im Bauch, Arztbesuch und zack bumm Diagnose: Krebs im Endstadium. Ende mit Planung.

Deshalb meint Jesus auch: „Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie? Wer ist aber unter euch, der seiner Länge eine Elle zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt?“ (Matthäus 6,25ff.).

Gerade das Wissen, dass das Leben nicht planbar ist, macht es wertvoll, einzigartig und wunderbar. Weil ich weiss, dass ich mein Leben nicht so durchstrukturieren kann, wie ich es mir in meinem egozentrischen Kopf zurechtgelegt habe, wäre es doch gerade zu genial, mehr Vertrauen zu haben.

Denn, hey, ich bin ein einzigartiger und talentierter Typ. Wenn jemand das Leben meistern kann, dann ich. Ich vertraue mir selbst und den Fähigkeiten, mit denen der liebe Gott mich ausgestattet hat.

Ausserdem habe ich Vertrauen in das Leben und in Gott. D.h. nun nicht, dass ich davon ausgehe, dass mir im Leben alles in den Schoss fällt. Das Leben ist immer wieder eine Aufgabe, der ich mich stellen muss. Doch ich glaube, dass alles, was mir im Leben widerfährt, einen tieferen Sinn hat. An den Problemen, die mir bisher begegnet sind, bin ich immer gewachsen. Wieso sollte ich nicht darauf vertrauen, dass das auch weiterhin so bleibt?

Ja, ganz ehrlich: Manchmal muss ich dann doch so mutig sein wie das Mädchen aus dem Märchen. Dann muss ich etwas riskieren und im Vertrauen auf den lieben Gott mein Leben anpacken. Etwas anderes bleibt mir letzten Endes sowieso nicht übrig. Und dann gehe ich das Ganze doch lieber optimistisch und vertrauensvoll an.

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