Unter Gottes Flügeln Zuflucht finden

Unter Gottes Flügeln Zuflucht finden

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„Wer unter dem Schutz des Höchsten wohnt, wer im Schatten des Gewaltigen die Nacht verbringt, der sagt wie ich über den Herrn: »Meine Zuflucht ist er und meine Burg, mein Gott, dem ich vertraue!« Ja, er rettet dich vor dem Netz des Jägers, vor den Verderben bringenden Pfeilspitzen. Er breitet seine Schwingen aus über dir. Unter seinen Flügeln findest du Zuflucht. Wie ein Schild schützt dich seine Treue, wie eine Schutzmauer umgibt sie dich. Du brauchst keine Angst mehr haben: weder vor den Gefahren, die in der Nacht drohen – noch vor den Pfeilen, die am Tag daherfliegen“ (Ps 91,1-5).

Ich finde den Psalm klasse! Nicht nur, weil er Vertrauen zu Gott zum Ausdruck bringt, sondern weil er vollkommen realistisch ist. Der Beter weiss, wie das Leben einem mitspielen kann. Er geht seinen Lebensweg im Glauben an einen gütigen Gott, der ihn behütet. Dennoch weiss er: Das Leben eines gläubigen Menschen ist kein Ponyhof. Auch ein gläubiger Mensch verfängt sich in Netzen des Jägers, auch ein Glaubender wird von Pfeilen bedroht. Das Leben ist immer ein Wagnis. Auch wer glaubt, begegnet den Gefahren des Alltags.

Und doch gibt es etwas, das der Glaubende anderen Menschen voraushat: Vertrauen und Hoffnung.

So geht es auch David. Bevor er selbst König wurde, war er ein wichtiger Mann am Hofe König Sauls. Er war als Musiktherapeut tätig und half Saul, seine Depression zu überwinden. Zugleich war er einer der wichtigsten Krieger am Hofe. In allem, was er tat, hatte er Erfolg. 

Als König Saul und David eines Tages siegreich mit dem Heer heimkehrten, passiert Folgendes: „Und während die Frauen fröhlich tanzten, sangen sie das folgende Siegeslied: »Saul hat tausend erschlagen, David aber zehntausend!« Das gefiel Saul ganz und gar nicht. Er kochte vor Wut und dachte bei sich: »David lassen sie zehntausend Feinde erschlagen. Aber bei mir reicht es nur für tausend. Jetzt fehlt nur noch, dass er das Königtum bekommt.« So wurde Saul misstrauisch gegenüber David. Das begann an diesem Tag und so blieb es auch. Am anderen Morgen kam ein Geist von Gott über Saul. Es war ein böser Geist. Da tobte Saul wie ein Wahnsinniger in seinem Palast.David aber spielte wie jeden Tag auf der Harfe. Und Saul hatte gerade seinen Speer in der Hand. Auf einmal schleuderte er den Speer und rief: »Damit werde ich David an die Wand nageln!« Doch David konnte dem Speer zweimal ausweichen. Da packte Saul eine große Furcht vor David. Denn der Herr war mit ihm. Doch von Saul hatte er sich abgewendet“ (1Samuel 18,7ff.).

Und so gestaltet sich Davids Leben zunächst nicht als Siegeslauf. Immer wieder muss er Rückschläge einstecken. Mit knapper Not entgeht er einem Mordanschlag Sauls. Allein seiner Frau und guten Freunden bei Hof hat er sein Leben zu verdanken. 
Eines Tages muss er sogar Hals über Kopf den königlichen Palast verlassen, denn Saul möchte ihn nun endgültig einen Kopf kürzer machen. So zieht David wie ein Räuber mit einer Schar bewaffneter Männer durch Wüsten und unwirtliche Gegenden. Immerzu ist er auf der Flucht. Nirgends findet er eine dauerhafte Bleibe. Er lebt in ständiger Angst, von Saul und seinen Männern erwischt zu werden.

Das alles geschieht ihm, obwohl er zuvor bereits zum neuen König Israels gesalbt wurde. Der Segen Gottes liegt bereits auf ihm. Und trotzdem hat er mit schwerwiegenden Problemen zu kämpfen. Doch gerade in dieser schwierigen Lage erweist sich der Segen Gottes als wirkmächtig. Denn David klammert sich an die Verheissung. Er vertraut darauf, dass Gott mit ihm geht. Trotz aller widrigen Umstände, trotz aller Gefahr hält er an diesem Segen fest. Er zweifelt nicht, sondern geht seinen Weg. Das gelingt ihm, weil er nicht auf die widrigen Umstände schaut, sondern seinen Blick auf Gottes Verheissung ausrichtet. David fürchtet sich nicht vor den Pfeilen, die am Tage fliegen und auch nicht vor den Gefahren der Nacht. Denn er vertraut auf Gottes Güte und Nähe. Er lebt aus der Gewissheit, dass der Gott, der ihn schon so oft aus dem Netz des Jägers befreit hat, auch weiterhin an seiner Seite wacht. Im Vertrauen findet er unter den Flügeln dieses Gottes Zuflucht.

Das Leben als Christ ist kein Ponyhof. Gott ist kein Beschützer, der dir jeden Stein aus dem Weg räumt, dass du auf deinem Lebensweg ja nie stolperst. Er ist vielmehr ein treuer Begleiter, den du bei der Hand packen kannst, wenn du einmal ins Stolpern gerätst. Gott ist dir auf deinem Lebensweg treu. Er begleitet dich, egal wo du hingehst. Wenn du dich auf deinem Lebensweg verläufst, kannst du dich vertrauensvoll an Gott wenden. Wenn du das Gefühl hast, dass du deinen Weg alleine gehen musst und dir diese Vorstellung Angst macht, kannst du dich unter seine Flügel flüchten. Denn Gott ist immer bei dir. Er geht mit. Er lässt dich nie alleine. Er sorgt für dich selbst in den Momenten, in denen du nichts von seiner Gegenwart spürst.

Ja, das Leben als Christ ist nicht immer ein Zuckerschlecken. Davon kann ich selbst ein Lied singen. Auf meiner ersten Arbeitsstelle habe ich mich aus verschiedenen Gründen nicht sonderlich wohlgefühlt. In dieser Zeit habe ich mich gelegentlich auch von Gott verlassen gefühlt. Ich hatte das Gefühl, mich selbst irgendwie am Leben halten zu müssen. Habe nichts von seiner Nähe gespürt, kein Zeichen gesehen. Und als ich dann noch einen Nervenzusammenbruch erlitten habe, dachte ich: Ja, jetzt ist es ganz aus. Niemand ist da, der sich um mich kümmert. Meine Familie, allen voran meine Frau natürlich ausgenommen.

Doch im Laufe der Zeit habe ich gespürt, dass ich nicht alleine bin. Gott hat mir ganz viele Menschen zur Seite gestellt, dir mir geholfen haben, die mich getragen haben. Gott hat mir in dieser Zeit einiges zugemutet oder zumindest zugelassen, dass mir etwas zugemutet wird. Doch er hat mich nie verlassen, davon bin ich überzeugt. Er hat mir die Kraft geschenkt, diese schwierige Zeit zu überstehen und an den Herausforderungen zu wachsen. Es war nicht immer leicht und oft habe ich mir gewünscht, dass sich mir eine angenehmere Möglichkeit geboten hätte, mich weiterzuentwickeln. Doch genau das ist ja unsere Aufgabe, das Leben so anzunehmen, wie es kommt und mit Gottes Hilfe das Beste daraus zu machen. Mir jedenfalls hat das Vertrauen auf Gottes Beistand geholfen, diese schwierige Zeit zu überstehen. Der Glaube war in dieser Zeit eine wichtige Kraftquelle für mich. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Gott mir beisteht und auch aus der scheinbar aussichtslosesten Situation etwas Neues wachsen lassen kann.


In diesem Sinne wünsche ich dir, dass du in deinem Leben erfährst, dass Gott dich begleitet und für dich da ist. Ich wünsche dir, dass Gott dir ganz viele hilfsbereite Menschen zur Seite stellt, die dich auf deinem Lebensweg begleiten. Ich wünsche dir, dass diese Menschen dich unterstützen und für dich da sind. Und ganz besonders wünsche ich dir, dass du Gottes Liebe jeden Tag aufs Neue spürst. Ich wünsche dir, dass Gottes Licht für dich jederzeit sichtbar ist, sodass du dich an schönen Tagen an Gottes Gegenwart freust und dich in finsteren Zeiten auf das Licht, das ausrichtest, das dir den Weg in Gottes verheissungsvolle Zukunft weist. 
Denn du hast einen Gott, der es gut mit dir meint, der dich segnet und behütet. „Unter seinen Flügeln findest du Zuflucht“.
Amen.

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