Trauungen und das Leben

Trauungen und das Leben

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Ich erzähle ja des Öfteren, was Paare über das Heiraten denken und wie sie sich ihre Trauung vorstellen. Heute gebe ich mal meine eigenen Gedanken zum Besten:

Siehst du einen entscheidenden Vorteil in einer freien Trauung?
Immer wieder höre ich von Heiratswilligen, dass sie sich ganz bewusst für eine freie Trauung entschieden haben. Eine kirchliche Trauung hätten sie nie in Erwägung gezogen. Denn Kirche sei so altbacken und unlustig. Da müsse man sich an einen bestimmten Ablauf halten und hätte quasi keine Möglichkeiten, für Individualität zu sorgen. Und da es die ganze Zeit um Gott ginge, ginge es ohnehin nicht um das Brautpaar. Eine freie Trauung sei da viel persönlicher.

Was natürlich stimmt, ist, dass der liebe Gott bei einer kirchlichen Trauung eine gewisse Rolle spielt. Und ja, es gibt für kirchliche Trauungen auch eine Liturgie (Ablauf). Allerdings ist diese Liturgie ja nicht in Stein gemeisselt. Viele Pfarrer sind in Bezug auf die Liturgie recht flexibel. Wenn das Paare keine drei Gemeindelieder singen will, kann man diese auch weglassen. Es müssen keine fünf Gebete in den Traugottesdienst hineingepackt werden. Bei all dem kommt es natürlich auf den Pfarrer an. Sich vorher mit seinem Gemeindepfarrer zu treffen, kann viele Vorurteile und Ängste beseitigen (oder aber auch bestärken).

Der Vorteil einer freien Trauung besteht in der freien Rednerwahl. Eine kirchliche Trauung wird in aller Regel vom Ortspfarrer gestaltet. Glück, wenn die Chemie stimmt, blöd, wenn sie nicht stimmt. Vor einer freien Trauung habt ihr die Möglichkeit, verschiedene Traurednerinnen und Trauredner kennenzulernen und zu erspüren, wer am besten zu euch passt.

Vermutlich vermittelt diese freie Wahl und dem ungezwungenen Austausch auch das Gefühl von Individualität. Oft betonen freie Rednerinnen und Redner, dass die Zeremonie genau auf das Paar abgestimmt wird. Jede Zeremonie ist einzigartig und massgeschneidert. Ein Pfarrer sagt das eher nicht. Die Kirche geht immer noch davon aus, dass die Leute einfach zu ihr kommen.

Das bedeutet nun aber nicht, dass eine kirchliche Trauung automatisch langweilig und unpersönlich wird. Auch im Rahmen einer kirchlichen Trauung können sich Verwandte einbringen. Viele Pfarrer reden nicht nur von Gott, sondern stellen die individuelle Liebe des Paares ins Zentrum der Predigt.

Was die Location anbelangt, seid ihr bei einer freien Trauung allerdings flexibler. Eine katholische Trauung muss an einem sakralen Ort stattfinden und auch in der evangelischen Kirche ist die Offenheit gegenüber Trauungen ausserhalb von Kirchengebäuden oft noch skeptisch.

Wer sich seinen Zeremonienleiter gerne selbst aussuchen möchte, ist mit einer freien Trauung, sicher gut beraten. Auch könnt ihr bei einer freien Zeremonie heiraten wo und wie ihr wollt. Und ganz klar: Wenn ihr mit Glauben nichts anfangen könnt, nehmt die freie Trauung.

Auch bei eher „ungewöhnlichen“ Wünschen wie dem Einbezug von Haustieren bietet die freie Trauung oft mehr Spielraum, was schon alleine daran hängt, dass die Trauung nicht in einem ehrwürdigen Gebäude abgehalten werden muss, in das Tiere keinen Zutritt haben.

Ferner sind viele Traurednerinnen und -redner sehr kreativ, was das Ausgestalten alternativer Rituale anbelangt. Etwas überspitzt: Alles was über den klassischen Ringtausch hinausgeht, ist bei der Kirche eher unbekannt.

Was spricht für eine freie christliche Trauung?
Der Vorteil einer freien christlichen Trauung ist die absolute Flexibilität des Ablaufs. Was genau als „christlich“ definiert wird, entscheidet das Paar. Soll es eine „klassische kirchliche Trauung“ sein oder eben eine lockere freie Trauung mit ein paar religiösen Elementen wie einem gemeinsamem Gebet, einem Trauspruch aus der Bibel und einem Segen? Alles ist möglich.

Und dabei steht selbstverständlich das Paar mit seiner einzigartigen Geschichte im Mittelpunkt. Dabei wird diese Geschichte und alles, was die beiden verbindet, in einen weiteren Kontext gestellt. Die Liebe des Paares wird in ihrer Individualität gewürdigt und zugleich wird auf Gott, die Quelle der Liebe, verwiesen.

Dabei kommt eine freie christliche Trauung auf jeden Fall lockerer rüber, als man sich eine kirchliche Trauung so allgemein vorstellt.

Welchen Sinn hat Religion?
Als evangelischer Theologe kann ich ja nur etwas über die christliche Religion und vor allem über meine eigene Einstellung sagen. Alles andere wäre leicht anmassend.

Für mich ist Religion Deutung der Welt und zwar eine hilfreiche. Ich fühle mich an Gott rückgebunden und dadurch mit dem Transzendenten verbunden. Dieses Gefühl relativiert meine Überheblichkeit. Letzten Endes bin ich – so nehme ich zumindest an – doch nicht so wichtig, wie ich mich manchmal fühle.
Und natürlich nimmt das auch Rückschlägen und Misserfolgen etwas von ihrer Tragik. Weil ich nicht einmal über mein eigenes Leben vollständig verfüge, muss ich mir nicht wegen jeder „Kleinigkeit“ einen Kopf machen.

Zugleich schenkt mir mein Glaube eine tiefe Sicherheit. Ich vertraue darauf, dass Gott es gut mit mir meint und mich durch alle Höhen und Tiefen meines Lebens begleitet. Das gibt Kraft gerade in Schwierigen Situationen.

Und warum sollte man Brautpaare mit religiösen Elemente beglücken?
Nun ja, wenn das Paar sich für eine freie Trauung entscheidet, muss es zunächst selbst entscheiden, wie das Trauredner sie glücklich machen kann.

Religiöse bzw. spirituelle Aspekte können eine Entlastung für die Ehe sein. Wenn in der Traurede beispielsweise zum Ausdruck kommt, dass Liebe immer unverfügbar bleibt, kann dies in schweren Zeiten Kraft und Hoffnung geben. „Wir können uns zwar anstrengen, doch letzten Endes hängt das Gelingen unserer Beziehung nicht nur von unserem Engagement ab.“ Das ist entlastend und hilft auch in schönen Momenten, die Beziehung zu geniessen.

Der Segen bringt zum Ausdruck, dass Gott das Paar auf seinem Lebensweg begleitet durch gute und durch schlechte Zeiten begleitet. Es heisst nicht, dass das Paar es nicht auch einmal schwer haben wird und für seine Liebe kämpfen muss, doch Gott ist dabei. Und ich glaube, es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass man dieses Leben nicht alleine meistern muss, wenn es gerade einmal kriselt.

Ausserdem steht der Segen ja auch für die Hoffnung auf Heilung, dass Gott nicht nur mit dabei ist, sondern dem Paar immer wieder neue Wege eröffnet und die Liebe weiter wachsen lässt. Da bedarf es auch gar keiner Krise. Vielleicht ist es ja auch Gottes Segen, wenn die Beziehung und das gesamte Leben sich wundervoll entwickeln und einfach alles gut ist…

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