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Sind Sie eigentlich ein fröhlicher Mensch, Herr Pfarrer?

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Zunächst einmal ist es mit der Fröhlichkeit ganz schnell vorbei, wenn ich „Herr Pfarrer“ genannt werde.
Ansonsten ist die Frage etwas schwieriger zu beantworten. Woran wird Fröhlichkeit festgemacht? Wenn man einen fröhlichen Menschen daran erkennt, dass er den ganzen Tag lacht, bin ich vermutlich kein fröhlicher Mensch. Ja, manchmal frage ich mich, ob ich nicht zu viel grübele und dem Bild, das Seneca von einem Philosophen, also dem idealen Menschen, zeichnet, zu sehr gleiche. „Ein Philosoph ist im Grunde unerschütterlich. Er lacht nicht, er weint nicht, mit den Göttern lebt er auf gleicher Ebene und lässt sich nicht von den Wechselfällen des Lebens mitreißen.“
Was Seneca da als Ideal des Menschseins ausgibt, erscheint mir wenig erstrebenswert. Wir Menschen sind keine Maschinen. Gefühle machen uns aus. Und da ist es doch normal, diese Gefühle auszuleben (natürlich nicht zu extrem!).
Wie ist das nun bei mir? Vielleicht bin ich ja eher zufrieden als fröhlich? Denn mit meinem Leben bin ich im Großen und Ganzen sehr zufrieden. Klar, etwas Luft nach oben ist immer. Aber ich habe das Gefühl, auf einer soliden Basis zu stehen: Toller Job, wundervolle Familie und Zeit mir über mich selbst Gedanken zu machen. Ach ja, gesund bin ich auch noch. Und das Beste ist: Ich bin mir dessen auch bewusst und dankbar für diesen Zustand. Also zufrieden bin ich schon mal.
Bin ich über die Zufriedenheit hinaus aber auch noch fröhlich? Ich behaupte ja! Menschen, die mich kennen, wissen, dass ich zumindest gelegentlich lache. Vermutlich weniger zu Hause als in größerer Gesellschaft.
Doch Lachen allein ist ja noch kein sicheres Zeichen für Fröhlichkeit. Über andere zu lachen, fällt leicht. Das schafft auch der Griesgrämigste von uns. Und irgendwo habe ich mal gelesen, dass besonders kritische und nicht zwingend glückliche Menschen zu Sarkasmus und Ironie neigen. 
Ich hingegen bin fröhlich. Ich freue mich, jeden Tag zur Arbeit gehen zu dürfen. Denn Arbeit bedeutet für mich Freude. Der Umgang mit jüngeren Menschen macht mir einfach Spaß. Und ich unterstelle, dass das auch meinen Schülerinnen und Schülern auffällt. Und im Unterricht lache ich auch gerne mal. Allerdings nicht über andere, sondern oft auch über mich selbst. Ich bin oft so verpeilt oder ungeschickt, dass ich darüber nur lachen kann. Eine Lachnummer bin ich deshalb hoffentlich nicht. Doch meine Fröhlichkeit zeichnet sich gerade dadurch aus, dass ich das Leben und vor allem mich selbst nicht zu ernst nehme. 
Um das noch kurz klarzustellen: Das bedeutet nicht, dass ich mich selbst für einen Idioten halte. Oder das Gefühl habe, nur dazu da zu sein, um andere zu bespaßen. Nein, ich glaube einfach, dass das Leben so wundervoll und einzigartig ist, dass es sich nicht lohnt, sich über Kleinigkeiten aufzuregen. Lieber lache ich mal über mich selbst.
Vielleicht bin ich dadurch Gott schon näher als der klassische Philosoph, wie Seneca ihn sich vorstellt. Wie unglücklich und damit Gott unähnlich muss ein Mensch sein, der versucht, jegliche Gefühlsregung zu unterdrücken?
Auch im Privaten bin ich an sich sehr zufrieden. Besonders wenn andere Menschen zu Besuch sind, lache ich über lustige Anekdoten. Ich genieße mein Leben. Manchmal wirkt das vermutlich nicht so, da ich trotz aller Zufriedenheit auch zum Grübeln neige. Das kommt zumeist dann vor, wenn ich wieder einmal zu viel Zeit habe. Dann hinterfrage ich mich selbst und natürlich kommen dann auch Gedanken, ob das Leben nicht mehr sein könnte als das, was ich gerade so vor mir sehe. Auch diese Seite gehört zu mir. Doch ich lasse mir meine Pfälzer Frohnatur nicht durch die Zeiten des Grübelns vermiesen. 
Kurz: Ja, ich bin ein fröhlicher Mensch, auch wenn ich zeitweise dazu neige, das zu wenig zu zeigen. Aber dem Problem könnt ihr ja abhelfen, indem ihr eure Fröhlichkeit um so mehr zeigt, denn Lachen steckt ja bekanntlich an. Und ich lache echt gerne. 

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