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Kirchliche und freie Trauungen – Fotografinnen und ihre Erfahrungen

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Ich bin als evangelischer Pfarrer und freier Redner aktiv, somit habe ich das grosse Vergnügen, kirchliche und freie Trauungen zu gestalten. Beides bereitet mir grosse Freude.

Mich hat die Frage beschäftigt, wie andere Dienstleister kirchliche und freie Trauungen wahrnehmen und ob sie ganz klar sagen: Diese Art der Trauung ist besser als die andere. Daher habe ich mich mit drei Fotografinnen unterhalten. Hier nun das Resultat.

Wie erleben Fotografinnen kirchliche Trauungen?
Wie kirchliche Trauungen erlebt werden, hängt stark von der menschlichen Komponente ab: Habe ich es mit einer freundlichen, weltoffnen und wortgewandten Pfarrerin zu tun oder einem griesgrämigen, kurz vor der Pension stehenden Pfarrer, dem das Brautpaar scheinbar egal ist.

Als gelungen wird eine kirchliche Trauung erlebt, wenn bei Dienstleitern und Gästen das Gefühl aufkommt, „dass sie persönlich ist, dass ich das Gefühl habe, dass der Pfarrer vorher auch ein intensives Gespräch mit dem Brautpaar geführt hat und eine gewisse Verbindung zu den beiden hat“. Merkwürdigerweise trauen (nicht nur Dienstleister) einem Kirchenbediensteten erstmal weniger zu als einem freien Redner. Diese Vorstellung speist sich oft aus Vorurteilen: „Man weiss doch, wie die Kirche ist.“ usw. Allerdings kommen auch immer wieder enttäuschende Erfahrungen hinzu, die Dienstleister und Brautpaare machen. „Es ist schon lange her, dass ich eine gute Predigt gehört habe und schon lange her, dass ich ähm z.B. eine Trauung mitbekommen habe, die mich wirklich berührt hat, eine kirchliche Trauung“, hält eine Fotografin resigniert fest.

Allerdings können Pfarrerinnen und Pfarrer gerade durch kreative und überraschende Trauansprachen immer wieder punkten: „Ich habe eine Predigt gehört über Agape, also über diese Dreiteilung der Liebe, die war klasse! Das war ein hochintelligenter Pfarrer, der hat das aber in Worte gebracht, die jeder verstehen kann.“ Wenn man einem Pfarrer anmerkt, dass er sich mit dem Thema der Trauung sowie dem Paar beschäftigt hat, sich Zeit genommen hat herauszuhören, was das Paar einzigartig macht und wie sie ihre Liebe verstehen, dann bieten sich ihm aufgrund seiner theologischen und philosophischen Kenntnisse Möglichkeiten, die Einzigartigkeit der Liebe zweier Menschen hervorzuheben sowie der Ansprache Tiefgang zu verleihen. An diesem Punkt könnte ein Pfarrer einem freien Redner etwas voraus haben.

Wenn man etwas platt zusammenfasst, könnte man sagen: „Jede Hausfrau“ kann sich als freie Rednerin betätigen, für den Dienst in der Kirche hingegen ein Studium mit anschliessender praktischer Ausbildung nötig ist. Wie kommt es nun zu dem Phänomen, dass sich Paare, obwohl sie kirchlich heiraten könnten, für eine freie Trauzeremonie entscheiden?

Eine Interviewpartnerin meinte: Berühren tun mich die freien Trauungen wesentlich mehr. Freien Rednern scheint es besser zu gelingen, den Fokus auf das Paar zu richten, die Feier persönlich zu gestalten. Das liegt nicht ausschliesslich an der Offenheit oder „Coolness“ der freien Redner, sondern auch am kirchlichen Rahmen, den manch einer als steif empfindet. Da gibt es eine relativ feste Struktur. „Es ist schon ein Ablauf, der immer ähnlich ist und das weiss jeder, das ist für jeden recht praktisch.“ Der Rahmen des Gottesdienstes gibt auf der einen Seite viel Sicherheit, auf der anderen Seite schränkt er natürlich auch ein. Eine Fotografin fasst passend zusammen: „Schöne Strukturierung vom Ganzen, aber keine Flexibilität.“ „Eine freie Trauung kann das Brautpaar so gestalten, wie es möchte“, bei einer kirchlichen Trauung ist der Spielraum etwas begrenzter, da gewisse Elemente wie Gebete, Lieder und der Segen einfach dazugehören. Dies heisst nun im Umkehrschluss aber nicht, dass in der Kirche alles nach Schema F läuft. Es gibt jede Menge engagierter Kolleginnen und Kollegen, die kirchliche Trauungen mit viel Elan und Kreativität gestalten. Auch bei kirchlichen Trauungen steht das Brautpaar heutzutage im Mittelpunkt (zumindest sollte es das). Die Zeremonie atmet zwar den Geist des christlichen Glaubens, dies bedeutet aber nicht, dass die Trauung unpersönlich wird. So fasst eine Interviewpartnerin zusammen: Heute ist es nicht mehr Standard, kirchlich zu heiraten. „Wenn sich das Brautpaar dafür entscheidet, was man immer mehr merkt, dass Pfarrer oder Pfarrerin da wirklich so viel Herzblut reinstecken, dass es wirklich immer wunderschön ist.“ Gefahr ist dann in Verzug, wenn die Gäste den Eindruck gewinnen, „dass der Pfarrer nur seine Arbeit tut und nicht sein Herzblut da reinsetzt.“ Egal ob kirchliche oder freie Trauung das Brautpaar erwartet eine individuelle Feier, die mit viel Engagement und Liebe gestaltet wird. Egal, was den Pfarrer bzw. die Rednerin momentan beschäftigt, im Moment der Trauzeremonie muss sie sich voll und ganz auf das Paar und die Feiernden ausrichten, ganz im Hier und Jetzt sein.

Riten, Tradition und Religion
„Eigentlich sind gerade diese Riten als solches wirklich schön. Weil ich damit gross geworden bin und weil das mir theoretisch schon Halt gibt“, antwortet eine Gesprächspartnerin auf die Frage nach Stärken der kirchlichen Trauung. Kirchliche Zeremonien haben den Vorteil, dass sie viele Elemente beinhalten, die wir mit schönen Erinnerungen unserer Kindheit wie dem Weihnachtsgottesdienst, der eigenen Konfirmation usw. verbinden. Das weckt Heimatgefühle, sorgt dafür, dass das Paar sich entspannt und die Trauung geniesst.

Allerdings nimmt die Vertrautheit kirchlicher Rituale immer weiter ab. Viele Brautpaare, die jünger sind als ich und meine Gesprächspartnerinnen, kennen die kirchlichen Bräuche nicht mehr. Dies führt dazu, dass junge Paare sich in einer Kirche unsicher oder gar unwohl fühlen. Ein Pfarrer, den sie lediglich vom Traugespräch kennen, vollführt irgendwelche Rituale, die man nie zuvor gesehen hat, das verunsichert. Auch die dazu gesprochenen Worte, die wohl aus der Bibel stammen könnten, sind dem Paar nicht geläufig. Es fühlt sich im eigenen Traugottesdienst fehl am Platz oder zumindest nicht in der Zeremonie beheimatet.

Und „Gottes Segen gehört sowieso dazu“, hält eine Fotografin fest. Damit unterstreicht sie das, was viele Paare, die sich für eine kirchliche Trauung entscheiden, für wichtig erachten. Die meisten Paare können nicht wirklich in Worte fassen, was Segen für sie genau bedeutet. Doch es ist ihnen immens wichtig, dass ihre Ehe unter den göttlichen Segen gestellt wird. Dabei geht es nicht um ein blosses „Absegnen“ der Ehe, vielmehr gehört dieser Segen für sie konstitutiv zur Ehe dazu. Zu wissen, dass sie das Wagnis der Ehe nicht alleine bestreiten müssen, gibt den Liebenden Zuversicht und Sicherheit. Es ist einfach beruhigend zu wissen, dass in der Beziehung eine höhere Macht am Wirken ist.

Der Vorteil einer freien Trauung besteht in diesem Punkt darin, dass das Brautpaar selbst entscheiden kann, ob religiöse Rituale sowie christliche Elemente in ihrer persönlichen Trauzeremonie eine Rolle spielen oder nicht. Freie Theologen freuen sich, individuelle Trauzeremonien mit christlicher Prägung zu zelebrieren. Dabei erscheint die freie Trauung schon dadurch lockerer, dass der Redner nicht in Amtstracht (Talar oder Albe) erscheint, sondern in Anzug oder locker gekleidet.

Lockerheit?
Einen Vorteil einer freien Trauung erkennt eine Fotografin darin, „dass die Stimmung lockerer ist. In der Kirche würde niemand so irgendetwas in den Raum werfen oder so was und bei freien Trauungen habe ich das schon mal erlebt, dass so witzige Kommentare von den Gästen kamen, was teilweise auch witzig war und das ganze aufgelockert hat.“
Kritisch zu fragen wäre hier, ob dies nun wirklich am Setting der Trauung liegt oder an unser aller Denken. Denn dass man in einer Kirche still zu sitzen hat, davon ist jeder von uns überzeugt. Der Ehrlichkeit halber sollten wir aber auch zugeben, dass wir noch nie davon gehört haben, dass ein Gottesdienstbesucher zu Tode gesteinigt wurde, weil er geklatscht oder gelacht hat.

Ich kann für mich zumindest behaupten, dass ich auch kirchliche Trauungen immer locker, flockig und mit jeder Menge Humor gestalte. Und gerade bei Taufen bin ich der Meinung, dass eine Kirche, die Kinder tauft, damit leben muss, dass solche Veranstaltungen sich durch Lebendigkeit auszeichnen. Und persönliche möchte ich anfügen: Wenn Kirche nicht offener wird für die Lebenswirklichkeit der Menschen, hat sie keine Überlebenschance. Trauungen und Taufen sind Feiern des Lebens. Das Lebensgefühl der Feiernden sollte sich in der Zeremonie widerspiegeln, egal ob die Trauung in einem altehrwürdigen Kirchengebäude oder unter freiem Himmel stattfindet.

Kommunikation
Als Theologe muss ich schon etwas darüber schmunzeln, wenn mir von Dienstleistern (und Brautpaaren) immer wieder erzählt wird, wie schwierig sich die Kommunikation mit Kirchengemeinden gestaltet. Eine Institution, deren Sinn es ist, für Menschen da zu sein und „die gute Botschaft zu verkündigen“, also zu kommunizieren, schafft es nicht, sich auf die Bedürfnisse ihrer Mitglieder einzustellen. Das Problem liegt meines Erachtens darin, dass die Gemeindeglieder, die Kirche als Dienstleister betrachten: „Ich möchte heiraten, mein Kind taufen, meinen Opa würdig bestatten lassen. Das soll die Kirche bitte würdig machen. Dafür ist sie ja schliesslich da.“ Während die Kirche die Dienstleiterrolle eher ablehnt. Dies kann im Extremfall auch dazu führen, dass Wünsche des Brautpaares abgelehnt werden, eben weil man ja kein Dienstleister ist. An vielen Orten herrscht noch die Überzeugung, dass die Kirche vorgeben kann, wie Zeremonien ablaufen. Die Gemeindeglieder hingegen sind der Meinung, dass es ausschliesslich darum geht, was sie wünschen. 

Aber auch die Kommunikation mir Kirchengemeinde und Pfarrer kann sich als schwierig erweisen, wie eine Gesprächspartnerin zu berichten weiss: „Der Pfarrer kommt immer zwei Minuten vor der Trauung knapp auf knapp, es ist wirklich noch keiner lang vorher da gewesen und dann ist immer so, dass ich versuche, noch mal kurz das Gespräch zu suchen“, aber das ist nicht immer möglich. Auch Anrufe bei der Kirchengemeinde können für Dienstleister frustrierend sein: „Man kann den Pfarrer ja grossartig gar nicht erreichen oder die Pfarrerin. Und wenn ich jetzt irgendwo anrufe bei der Gemeinde, dann hab ich jemanden dran, der sagt: Ich weiss nicht, warum sie jetzt anrufen.“

Insgesamt gestalte sich die Kommunikation mit freien Rednern viel einfacher, diese seien immer freundlich, auskunftsfreudig und entgegenkommen. Kurz: Die Zusammenarbeit erweist sich oft als unkomplizierter.

Auch was das Fotografieren anbelangt, würden sich einige Pfarrer ziemlich anstellen. In manchen Gemeinden würde gar das Fotografieren des Trauakts verboten oder Fotografen prinzipiell sehr unwirsch behandelt. Allerdings muss man bedenken, dass Pfarrer – die ja selbst irgendwie Dienstleister sind, ob sie es nun wollen oder nicht – auch schlechte Erfahrungen mit anderen Dienstleistern gemacht haben. Zusätzlich kommt bei Pfarrerinnen auch ein gewisser Frust hinzu, wenn bei ihnen das Gefühl aufkommt, als „Hampelmann zu fungieren“, wie es ein Kollege einmal ausgedrückt hat. Gott sei Dank, haben manche Fotografen ein Gespür dafür. Mit etwas Empathie gelingt es meistens, sich mit der Pfarrerin zu einige. So begegnet eine Gesprächspartnerin, der die Pfarrerin das Fotografieren der Trauzeremonie nicht gestatten wollte, sehr einfühlsam: „Da habe ich zu ihr gesagt, also ich würde das auf jeden Fall respektieren und ich würde mich auch sehr im Hintergrund halten. Vielleicht könnten wir das ja so vereinbaren, dass sie mir so ein kleines Zeichen gibt, wenn sie möchte, dass ich jetzt stoppe zu fotografieren.“ Letzten Endes konnte sie problemlos die gesamte Zeremonie fotografieren.

Sollten wir nun kirchlich oder frei heiraten?
Das kann so pauschal nicht beantwortet werden. Zunächst einmal solltet ihr euch fragen, warum ihr gerne kirchlich heiraten möchtet. Liegt euch tatsächlich der Segen Gottes am Herzen oder findet ihr einfach die Location so toll. Die Örtlichkeit ist für viele Brautpaare ein ausschlaggebender Grund, sollte allerdings nicht der alleinige Grund sein, sich kirchlich trauen zu lassen. Manche Kirchen werden inzwischen auch für freie Trauungen vermietet und es gibt Kirchengebäude und Kapellen, die keiner Religionsgemeinschaft gehören und von jedem Brautpaar gebucht werden können. 

Auch ermutige ich euch, so zu heiraten, wie ihr es gerne möchtet. Nur weil Oma Gertrud die Kirche so wichtig ist, müsst ihr euch nicht den Segen eines Pfarrers abholen.

Andererseits rate ich davon ab, prinzipiell einen freien Redner zu buchen, weil er viel cooler ist als so ein altmodischer Pfarrer. So manch eine Pfarrerin entspricht nicht verbreiteten Klischees. Und nicht jeder Pfarrer besteht darauf, sieben Lieder aus dem Gesangbuch singen zu lassen. 

Letzten Endes gilt: Macht euch Gedanken, wie ihr euch eure Trauung vorstellt, was ihr euch wünscht und sucht dann das Gespräch mit eurem Pfarrer und ggf. mit einem oder mehreren freien Rednerinnen. Ob kirchlich oder frei wichtig ist, dass die Chemie zwischen euch und dem Redner/ Pfarrer stimmt. Wie eine Fotografin festhält: „Es hängt immer sehr an den Menschen.“

Solltet ihr eine moderne, kreative und vielleicht auch etwas unkonventionelle christliche Trauung wünschen, wendet euch auf jeden Fall an den freien Theologen eures Vertrauens (mich!).


Vielen Dank an meine Interviewpartnerinnen:

Vreni Arbes: www.vreni-arbes.de

Karin Datsis: www.kd-fotografie.art

Kristin Langholz: www.linsenmomente.de

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