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Haben Sie auch ein Privatleben, Herr Pfarrer?

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Zunächst möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich nicht mehr als Pfarrer tätig bin! Ich habe nun das große Vergnügen, mir gemeinsam mit jungen Menschen im Rahmen des Religionsunterrichts darüber Gedanken zu machen, was Menschsein ausmacht, wo unser Platz in der Welt ist und wie wir uns selbst sowie die Welt wahrnehmen.
Damit komme ich gleich zu meinem ersten Hobby, wenn man es denn ein Hobby nennen mag und nicht die Bestimmung des Menschen: Ich verbringe relativ viel Zeit damit, mich selbst zu reflektieren, meinen Blick auf die Welt zu überdenken und mir Gedanken darüber zu machen, ob die Welt denn wirklich so ist, wie ich sie wahrzunehmen glaube.
Da ich selbst ja etwas dabbisch bin, suche ich mir für diese schwere Aufgabe gerne Unterstützung. Ich lese philosophische, psychologische und – Gott bewahre – gelegentlich auch theologische Texte. Dabei muss ich immer auf der Hut sein, dass ich diesem Hobby auch tatsächlich aus Eigennutz fröne und nicht etwa danach trachte, neues Unterrichtsmaterial zu sammeln.

Sie leben also in einem Elfenbeinturm?
Den kann ich mir derzeit leider nicht leisten. Das liegt vor allem an meinen 4 Kindern, die mein hart erarbeitetes Geld unverzüglich wieder dem Kreislauf der Wirtschaft zuführen. 
Eigentlich hätte ich meine Ausführungen wohl auch mit einem Lob meiner Kinder eröffnen sollen. Denn tatsächlich nehmen sie wohl einen Großteil meiner Freizeit ein, worüber ich mich im Übrigen sehr freue. 
Aufgrund der guten Witterungsverhältnisse stehen bei uns derzeit folgende Aktivitäten ganz hoch im Kurs: Baden am Blausee, Papas Geld in Eis investieren und abends im Garten spielen.
Besonders genieße ich in Ferien sowie am Wochenende die morgendlichen Spaziergänge mit meiner knapp 1.5-jährigen Tochter. Es geht eigentlich immer in den Vogelpark: „Vopa, komm!“. Dort wird dann etwas geschaukelt und nachgeschaut, ob die Hühner und übrigen „Pieppieps“ wohlauf sind. Es ist einfach wundervoll, mit dem kleinen Sonnenschein die wohlbekannte Gegend zu erkunden.
Die älteren Kids (12, 10, 8) sind bereits relativ selbständig unterwegs. Umso schöner, wenn sie mal Lust haben, etwas als Familie zu unternehmen oder auch mal dazu gezwungen werden, so zu tun, als ob sie Lust hätten. Bei Schwimmbädern und Freizeitparks ist das kein Problem. Eine Sightseeing-Tour durch Heidelberg ist da schon etwas schwieriger schmackhaft zu machen. Ein Eis reicht da als Lockmittel kaum noch aus.

Und Ihre Frau?
Ja, die mag ich auch. Auch wenn ich sie gelegentlich mit meinen philosophisch-theologischen Überlegungen quäle.
Nein, mal ernsthaft: Meine Frau ist das Beste, das mir passieren konnte. Mit ihr kann ich mich gut unterhalten. Und sie tritt mir kräftig genug in meinen faulen Hintern, dass wir als Familie immer wieder neue spannende Abenteuer unternehmen und etwas von der Welt sehen.
Vermutlich hätte ich mein halbes Leben mit dem Theologiestudium verplempert, wenn sie mir nicht immer wieder auf freundliche Art die Leviten gelesen hätte.
Ohne meine Frau wäre ich sicherlich ein schlechterer Mensch.

Aha. Und sonst?
Reicht das noch nicht?
Na ja, da haben Sie vermutlich recht. Ich sollte mich mal wieder darum bemühen, etwas mehr Sport zu treiben. Das ist seit dem Rückzug in unsere alte Heimat etwas auf der Strecke geblieben.

Ach ja, bevor ich das vergesse. Ich fühle mich in der Heimat pudelwohl und ich freue mich, dass sich schon die Gelegenheit geboten hat, ganz viele alte Freunde wiederzusehen (und ich die übrigen Freunde hoffentlich ganz bald wiedersehen werde). Freundschaft macht das Leben reicher!
Ich bin immer wieder fasziniert, wie alte Freundschaften sich entwickelt haben. Schulfreunde, mit denen ich früher „gechillt“ habe oder so. Irgendwie haben wir es geschafft, dass die Freundschaften sich mit uns gemeinsam weiterentwickelt haben. Sie sind mit uns gereift oder wir mit ihnen. Keine Ahnung. Dafür bin ich total dankbar. Wie ich schon jeden Tag dankbar bin, dass ich auf dieser schönen Welt leben darf. Mal schauen, was heute und morgen wieder passiert.

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