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Gelingende Partnerschaft

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Als Trauredner habe ich berufsbedingt viel mit Menschen zu tun, die ihre Partnerschaft in feste Bahnen lenken möchten. Das Entscheidende an meinem Job ist es, die Paare wirklich kennenzulernen, mich auf ihre Sicht der Welt einzulassen und herauszufinden, was diese beiden Menschen verbindet und gewiss macht, dass ihre Verbindung auch die nächsten 30 oder sogar 60 Jahre überstehen wird.

Viel erzählen mir Paare über gemeinsame Hobbys darüber, was sie gerne zu zweit unternehmen. Sie teilen mir auch mit, wie sie Krisen gemeinsam durchgestanden haben und wie sie das gemeinsam Erlebte noch mehr zusammengeschweisst hat. Selbstverständlich berichten mir Paare auch von ihren Hoffnungen wie der Gründung einer richtigen Familie mit Kindern, Hund und Haus mit Swimmingpool. 

Dabei unterscheiden sich die Geschichten der Paar teilweise sehr stark voneinander. Auch die Hoffnungen und gesteckten Ziele der Paare weichen teilweise erheblich voneinander ab. Und logisch, die Geschichte jedes Paares ist einzigartig.
Was ist dann aber das Entscheidende? Was lässt eine Partnerschaft gelingen? Der Philosoph Sören Kierkegaard meint, dass es die Aufgabe der Liebenden sei, „den nun einmal gewählten Gegenstand – liebenswert zu finden, und dabei beharren zu können, ihn liebenswert zu finden, wie er sich auch verändere.“ Damit trifft er den Nagel auf den Kopf. Das Wichtigste in einer Partnerschaft ist das tägliche Ja zu dem Menschen, den man liebt und das in dem Wissen, dass dieser Mensch heute nicht mehr ganz derselbe ist, der er gestern noch war. Wir alle verändern uns im Laufe unseres Lebens. Und wenn eine Partnerschaft, die im 17. Lebensjahr geschlossen wird, auch noch das 85. Lebensjahr überdauern soll, dann ist klar, dass die Liebe eine gewisse Elastizität aufweisen muss. Denn mit 85 ist man nicht mehr der, der man mit 17 war. Vermutlich „verwandelt“ sich der lebenslustige Philosophiestudent, der bis spät in die Nacht um die Häuser gezogen ist, spätestens mit der Geburt des ersten Kindes doch noch in einen verantwortungsvollen Menschen, der sich sogar eine Arbeit sucht. 

Und so wie uns die schönen Ereignisse des Lebens verändern, so verändern uns auch die schweren Situationen, die wir durchmachen. Eine lange Krankheit, der Verlust wichtiger Bezugspersonen oder andere Schicksalsschläge können unsere Sicht auf die Welt verändern. Ganz davon abgesehen, dass sich auch unser Aussehen mit den Jahren leicht verändert. Daher haben wir laut Kierkegaard die Pflicht „mit geschlossenen Augen (denn in der Liebe verschliesst du sie ja vor der Schwachheit und der Gebrechlichkeit und der Unvollkommenheit) die Wirklichkeit zu finden“. 

Ja, genau davon lebt die Liebe, dass wir nicht auf das schauen, was uns stört, dass wir den Partner nicht bedrängen, bis er mehr oder minder zu dem Menschen wird, den wir gerne hätten, sondern ihn vielmehr so annehmen, wie er ist. Die Liebe schaut nicht auf das Unvollkommene, sondern freut sich jeden Tag aufs Neue an dem Partner, der uns auf unserem Lebensweg begleitet. Das ist doch die Wirklichkeit: Wir haben da jemanden an unserer Seite, der mit uns durch dick und dünn geht. Jemanden, der uns annimmt und uns hilft, die Stürme des Lebens zu bewältigen. Mein Partner hilft mir, mit all meinen Macken durchs Leben zu kommen. Er gleicht meine Schwächen aus und steht mir bei. Meine Aufgabe ist es, genau dasselbe zu tun. 

Kierkegaard fasst zusammen: lieben heisst „den Menschen lieben, welchen man sieht“ und nicht den idealen Menschen, den man sich erträumt und den es ja doch nicht gibt. Eine Liebesbeziehung übersteht alle Zeiten, wenn es uns gelingt, unseren Partner so anzunehmen, wie er ist, wenn wir jeden Tag erneut zu ihm ja sagen: Ja, du bist der für mich perfekte Mensch. Das bist du, weil du so bist, wie du bist. Weil du mich ermutigst, mich zu verwirklichen und weil ich mir genau dasselbe auch für dich wünsche. Wir gehen unseren Weg gemeinsam. Uns kann nichts so leicht umhauen, weil wir einander haben, uns so lieben, wie wir sind. Wir wissen nicht, was morgen kommt, doch wir werden das Zukünftige gemeinsam angehen. Wir halten zusammen.

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