Ein Märchen über die Macht der Liebe

Ein Märchen über die Macht der Liebe

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Die Liebe ist wundervoll. Sie bringt das Beste im Menschen zum Vorschein. Wer liebt, schaut zuerst auf sein Gegenüber. Wer wahrhaft liebt, freut sich, wenn es dem anderen gut geht. 

„Die Liebe ist geduldig. Gütig ist sie, die Liebe. Die Liebe ereifert sich nicht. Sie prahlt nicht und spielt sich nicht auf. Sie ist nicht unverschämt. Sie sucht nicht den eigenen Vorteil. Sie ist nicht reizbar und trägt das Böse nicht nach. Sie freut sich nicht, wenn ein Unrecht geschieht. Sie freut sich aber, wenn die Wahrheit siegt. Sie erträgt alles. Sie glaubt alles. Sie hofft alles. Sie hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf“ (1. Korinther 13,4ff.), fasst Paulus die Macht der Liebe zusammen.

Im Märchen Das singende, springende Löweneckerchen wird eine junge Frau einem Prinzen angetraut, der des Tags die Gestalt eines Löwen annehmen muss. Dennoch lebt das Paar vergnügt und fröhlich zusammen. Sogar ein Kind wird ihnen geschenkt.

Als die Schwester der Frau ebenfalls heiratet, möchte sie nicht ohne ihren Prinzen zur Hochzeit reisen. Doch der Ehemann möchte nicht. Er hält es zu gefährlich, denn sollte ihn ausserhalb des eigenen Zuhauses ein Lichtstrahl berühren, so würde er sich in eine Taube verwandeln und müsse sieben Jahre mit den Tauben fliegen. Der Frau gelingt es, ihren Partner zu überreden. Und es kommt, wie es kommen muss, alle Vorkehrung kann nicht verhindern, dass ein Lichtstrahl auf den Prinzen fällt. Und als die Frau aus der Kirche kommt und ihren Mann sucht, „sah sie ihn nicht, aber es saß da eine weiße Taube. Die Taube sprach zu ihr: “Sieben Jahr muss ich in die Welt fortfliegen; alle sieben Schritte aber will ich einen roten Blutstropfen und eine weiße Feder fallen lassen, die sollen dir den Weg zeigen, und wenn du der Spur folgst, kannst du mich erlösen.“

Und die treue Frau folgt der Taube. Sie nimmt aufgrund ihrer Liebe alle Gefahren auf sich. Unterwegs erhält sie Hilfe von Sonne, Mond und Sternen, die ihre helfen, der Taube zu folgen. Vom Wind erfährt sie, wie sie ihren Mann, der sich nach sieben Jahren wieder in einen Löwen verwandeln wird, retten kann. „Die weiße Taube habe ich gesehen, sie ist zum Roten Meer geflogen, da ist sie wieder ein Löwe geworden, denn die sieben Jahre sind herum, und der Löwe steht dort im Kampf mit einem Lindwurm, der Lindwurm ist aber eine verzauberte Königstochter“, sagt der Nachtwind. 

Die Frau gelangt an das Rote Meer und erlöst ihren Ehemann und zugleich auch die verzauberte Königstochter. Doch Undank ist der Welten Lohn: Der Ehemann brennt mit der hübschen Prinzessin durch.

Doch die treue Ehefrau gibt nicht auf, sie hält an der Liebe fest. Sie lässt sich nicht erbittern und trägt das erlittene Unrecht nicht nach. Sie macht sich auf den Weg zum untreuen Ehemann. Und tatsächlich gelingt es ihr, sich das Recht zu erkaufen, eine Nacht in der Kammer des Königs zu schlafen. 

„Zur Nacht wurde sie wieder hereingeführt und als sie anfing zu erzählen, wie es ihr traurig ergangen wäre, da erkannte er gleich an der Stimme seine liebe Gemahlin, sprang auf und rief: “Jetzt bin ich erst recht erlöst, mir ist gewesen wie in einem Traum, denn die fremde Königstochter hatte mich bezaubert, dass ich dich vergessen musste, aber Gott hat noch zu rechter Stunde die Betörung von mir genommen.” Da gingen sie beide in der Nacht heimlich aus dem Schloss, denn sie fürchteten sich vor dem Vater der Königstochter, der ein Zauberer war, und setzten sich auf den Vogel Greif, der trug sie über das Rote Meer, und als sie in der Mitte waren, ließ sie die Nuss fallen. Alsbald wuchs ein großer Nussbaum, darauf ruhte sich der Vogel und dann führte er sie nach Haus, wo sie ihr Kind fanden, das war groß und schön geworden, und sie lebten von nun an vergnügt bis an ihr Ende.“

Das Märchen verdeutlicht auf eindrucksvolle Weise, wie die Liebe unsere Sicht auf die Welt verändert. Wer liebt, schaut nicht auf die Gefahren, nicht auf das Komplizierte und Schmerzliche, sondern auf die erhoffte Zukunft. 
Die Heldin lässt sich von der Gefahr nicht abschrecken. Sie macht sich auf den Weg, um das scheinbar Unmögliche erreichen: Ihre Liebe zu retten. Dabei lässt sie sich von Rückschlägen nicht von ihrem Weg abbringen. „Die Liebe hofft alles“. Und so geht die junge Frau ihren Weg zielstrebig weiter, auch als die Untreue ihres Partners offen zutage tritt. „Die Liebe ist nicht reizbar und trägt das Böse nicht nach… Sie hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf.“ Und der unbeirrte Glauben an die Liebe verhilft der Braut dazu, alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen und ihren Geliebten aus dem Bann der Königstochter zu befreien. Am Ende fliegt das Paar zufrieden mit dem Vogel Greif über das Rote Meer in eine verheissungsvolle Zukunft.

Wie in der Geschichte so ist auch jede reale Beziehung immer mit Arbeit verbunden. Die perfekte Partnerschaft, die ohne Konflikte abläuft und alles immer Friede, Freude, Eierkuchen ist, die findet sich nicht einmal im Märchen, so unrealistisch ist sie. 

Das Zusammenleben von Menschen ist vielmehr von Differenzen und kleinen Konflikten geprägt. Das Entscheidende ist der Umgang mit den kleinen (und grossen) Problemen des Alltags. Denn genau an diesen Herausforderungen erweist sich wahre Liebe. Wenn ein Paar es schafft, sich gegenseitig immer wieder herauszufordern und zugleich einen Umgang mit diesen Herausforderungen zu finden, dann ist es auf dem richtigen Weg. Wie langweilig wäre auch ein Leben, in dem alles wie am Schnürchen läuft, dazu könnte man kein spannendes Märchen erzählen. Die Kunst besteht darin, dass die Beziehung wie viele Märchen endet: „und sie lebten von nun an vergnügt bis an ihr Ende.“ Dazu kommen wir nur, wenn wir unsere Beziehung und unseren Partner ernst nehmen, uns den Konflikten stellen und gemeinsam an ihnen wachsen. Wahre Liebe kann Konflikte ertragen. Sie erweist sich darin, dass beide trotz der Unterschiedlichkeit, an der Liebe zueinander festhalten. Wenn ein Paar liebt, wird es mit allen Herausforderungen zurechtkommen, kreativ nach Lösungen suchen und so die Beziehung gemeinsam auf eine neue Ebene bringen. Dieser Sprung auf eine neue Stufe ist immer ein Wagnis. Niemand weiss, wie es in der Beziehung weitergeht. Doch wer liebt, der hofft. Und wenn ein Paar gemeinsam hofft, hält es allem stand und seine Liebe hört niemals auf.

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