“Die beste Entscheidung ever” – Die freie Trauung

“Die beste Entscheidung ever” – Die freie Trauung

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Freie Trauungen liegen im Trend. Immer mehr Paare entscheiden sich für eine Trauzeremonie jenseits des klassischen kirchlichen Angebots.

Ich habe mit Paaren über die Beweggründe gesprochen.

Vorweg: Die Gründe, weshalb eine Ehe geschlossen wird, unterscheiden sich bei kirchlich und frei getrauten Paaren nicht. „Der Hauptgrund: Weil wir uns lieben und weil wir auch Kinder haben wollen und wir da beide noch so traditionell sind oder konservativ, dass wir sagen: Wir wären gern verheiratet, bevor wir Kinder kriegen“, erzählt ein Bräutigam schmunzelnd.

Individualität
Rückblickend erzählen viele Paare, dass die freie Trauung genau die richtige Entscheidung gewesen sei, „weil es einfach so ungezwungen, so persönlich ist. Es ist unsere Trauung gewesen und unsere Geschichte… Es ist um uns gegangen, unsere Liebesgeschichte, wie sich das alles entwickelt hat.“ 

Die Rede bei der freien Trauung wird als persönlich empfunden. Viele Paare machen das daran fest, dass es ausschliesslich um sie und ihre individuelle Geschichte geht. Die Story des Paares bildet das Zentrum der Zeremonie. Weltanschauliche Auslegungen kommen nur hinzu, wenn das Paar dies explizit wünscht. Daher werden auch diese Ausführungen als passend und persönlich empfunden, während sie bei einer kirchlichen Trauung oft als störend wahrgenommen werden, da scheinbar keine Verbindung zu der Geschichte des Paares besteht.

Ein weiterer Pluspunkt der freien Trauung ist die Offenheit für Rituale. Hobbys und Lieblingsthemen des Paares können so stimmig in die Zeremonie integriert werden. Dabei ist die Kreativität des Trauredners gefragt. Etwas kritisch könnte man auch nachfragen, ob Rituale allein deshalb als originell und persönlich wahrgenommen werden, weil sie eben nicht kirchlich bzw. traditionell sind.

Ein Brautpaar, das an sich nicht viel mit Garten oder Floristik am Hut hat, empfand das Einsäen von Sonnenblumensamen als besonders passend: „Also unsere Traurednerin hat einen Topf vorbereitet, also einen Blumentopf mit Blumenerde. Und hat uns beide jeweils einen durchsichtigen Handschuh gegeben und Sonnenblumenkerne und dann haben wir die gemeinsam einpflanzen können oder setzen und mit Wasser begiessen. So quasi, dass die Liebe wachsen soll quasi. Und zwei oder drei Monate später haben wir auf dem Balkon schöne Sonnenblumen gehabt.“

Dabei handelt es sich eher um ein „klassisches“ Ritual einer freien Trauung. Das bedeutet allerdings nicht, dass es „schlecht“ oder „abgedroschen“ ist. Bringt es doch schön den Aspekt der sich entwickelnden Liebe zum Ausdruck. Ausserdem geht es auch immer darum, was das Paar sich wünscht: „Ganz originell und einzigartig“ oder „individuell und dennoch wiedererkennbar“.

Ganz viele TraurednerInnen stecken jedenfalls voller Ideen, die über das klassische Repertoire hinausgehen.

Hinzukommt bei den Paaren das Gefühl, unbegrenzten Gestaltungsspielraum zu haben, sich selbst kreativ in die Trauung hineingeben zu können. Schliesslich ist bei einer freien Trauung alles möglich: Man kann alles in die Hände von Profis übergeben und sich berieseln lassen. Genauso gut kann das Brautpaar aber auch viel selbst planen, Verwandte miteinbeziehen, mit dem Trauredner Rituale ausarbeiten usw. Und selbstverständlich könnt ihr eure Zeremonie auch ganz ohne Dienstleister mit der Familie planen und als riesiges Familienfest begehen.

Eine Braut fasst zusammen: „Und andererseits was, was für mich sehr wichtig ist, ich bin selbst ein kreativer Mensch und sie ist auch sehr kreativ und wir haben dann einfach megaviele Ideen gehabt, was wir machen könnten und joa es ist halt auf gut Deutsch gesagt ein klein wenig weniger steif als in der Kirche… Und bei der Traurednerin ist wirklich von Anfang an gewesen: Grundsätzlich geht alles. Egal, was ihr wollt. Wir können alles machen. Wir können alle Ideen miteinbauen. Wir können alles anschauen.“

Die kirchliche Trauung als Negativfolie
Mir ist bewusst, dass ganz viele Pfarrer einen tollen Job machen. Viele engagierte kirchliche Mitarbeiter verändern die kirchliche Praxis vor Ort. Dennoch gilt Kirche vielen Paaren als altbacken und konservativ.

Leider wird dieses Bild auch immer wieder bestätigt. Ein Paar, das mit der Idee kirchlich zu heiraten, geliebäugelt hatte, hält nüchtern fest: „Wir waren schon an zwei Hochzeiten eingeladen als Gäste, die in der Kirche stattgefunden haben und uns hat die Trauung oder die Zeremonie in der Kirche ein bisschen, ich sag jetzt mal, abgeschreckt… Und dann haben wir gesagt: Ne, in der Kirche heiraten wir sicher nicht.“ Ein Bräutigam und Fotograf meint ergänzend: „Das ist jetzt natürlich nur ne persönliche Meinung, aber auf allen kirchlichen Hochzeiten bis jetzt, auf denen ich war… standen statt dem Brautpaar eher die Religiosität und Gott und die Verbindung im Vordergrund. Und bei den freien Trauungen, die ich bis jetzt mitgemacht habe… da war wirklich das Paar und die Liebe mehr sichtbar, beziehungsweise auch mehr in den Aktionen und in den Worten halt vertreten.“ 

Einige Paare schrecken auch die religiösen Texte ab. Daran kann Kirche allerdings nichts ändern. Jedes Paar muss für sich entscheiden, ob seine Trauung in einen spirituellen Kontext eingebettet sein soll und wie diese Spiritualität im Rahmen der Trauung angemessen zum Ausdruck gebracht werden wird. Ob die Kirche die richtige Adresse ist, liegt im Auge des Betrachters.

Woran Kirche jedenfalls nicht arbeiten kann, ist die Individualität der Trauzeremonie. Das kann schon bei der Berücksichtigung der Musikwünsche des Paares beginnen. Leider ist es nicht in allen Kirchengemeinden möglich, im Rahmen einer kirchlichen Trauung „moderne“ Musik ohne „christlichen Bezug“ in die Zeremonie einzubinden. So hält ein Paar fest: „Von der Musikauswahl ist man [bei einer freien Trauung] freier, von der gesamten Musikauswahl waren wir freier.“ Während sie sich mit altmodischen Kirchenliedern, die auf ausdrücklichen Wunsch des Pfarrers in den Traugottesdienst integriert werden, nichts anfangen könnten.

Als Theologe empfinde ich es als tragisch, wenn eine Braut die kirchliche Trauung so zusammenfasst: „Für mich war es halt zu fest wie eine normale Messe, wie ein Gottesdienst und für mich war das zu wenig halt wie eine Hochzeit, wie eine Trauung. Für mich ging es zu wenig um das Brautpaar und um die Hochzeit.“

Alles ist möglich
Ideen und Kreativität sind bei einer freien Trauung keine Grenzen gesetzt. Alles wird für das Paar passend organisiert. So haben die Heiratenden das Gefühl, im Mittelpunkt zu stehen. Selbst auf den Hund kann man dabei kommen.

So berichtet ein Paar, dass es ihm besonders wichtig war, die Hunde in die Zeremonie miteinzubeziehen. Dies sei in der Kirche aufgrund von Hygieneverordnungen nicht möglich gewesen. Nun würden sie im Freien heiraten und für die Traurednerin sei das mit den Hunden kein Problem. Sie bemühe sich, dem Paar alles zu ermöglichen. Und so sind die Hunde dann live dabei. „Die Hunde, die die Ringe bringen und eventuell halt sonst noch etwas machen mit den Hunden.“

Als grosse Freiheit empfinden viele Paar auch die freie Wahl der Location. Diese erleichtert selbstverständlich die Durchführung einiger Rituale und auch das Einbinden von Haustieren etc. Während das Kirchengebäude, in welchem vor allem im katholischen Bereich die kirchliche Trauung zumeist durchgeführt werden muss, die Kreativität teilweise einengt. 

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