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Das Leben nach dem Tod: Ein ewiges Fest

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Neulich saß ich in lustiger Runde, um mit einigen alten Schulkameraden das Jubiläum meiner Geburt zu zelebrieren. Wir waren ziemlich ausgelassen, was vermutlich darauf zurückzuführen ist, dass ich der einzige Theologe der Runde war und meine tiefgehenden Gedanken in den Gesprächen gekonnt ignoriert wurden. Trotzdem oder gerade deshalb war die Stimmung einfach super. Statt über den lieben Gott sprachen wir lieber über die guten alten Zeiten. Wir ließen lustige Szenen der Schulzeit Revue passieren. Ausgiebig amüsierten wir uns über die recht merkwürdigen Lehrer, – inzwischen zähle ich ja selbst zu diesem Berufsstand – die wir im Laufe unsrer Schullaufbahn genießen durften. 
Grob zusammengefasst lässt sich sagen: Die Schulzeit war extrem witzig und sorgenfrei. Es gab keine Probleme und ständig Anlass zu feiern und zu lachen. Zumindest erinnern wir das so.
Die Realität sieht wohl anders aus. Wenn ich höre, was meine Schülerinnen und Schüler so erzählen, scheint auch die Jugend keine unbeschwerte Zeit zu sein. Da gibt es riesige Probleme wie Liebeskummer, schräge Lehrer, die man in der Zeit, in der man sie ertragen muss, dann wohl doch nicht ganz so lustig findet, wie in der Erinnerung. 
Jede Lebenszeit scheint so ihre Probleme zu haben. Doch wieso haben wir uns nicht an all die Konflikte, die wir in unsrer Schulzeit durchstehen mussten, erinnert. Es könnte damit zusammenhängen, dass all das Schwere, was wir in der Jugend durchlaufen haben, im Nachhinein als Lappalie erscheint. All die Nöte sind im Vergleich zu den Herausforderungen, vor denen wir heute stehen, eher kleinste Problemchen nicht der Rede wert. Ob das wirklich so ist, kann ich nicht objektiv beurteilen. Vermutlich sind die Hürden, die gerade vor einem auftauchen, immer die höchsten. Kein Problem ist so dramatisch wie das, mit dem man sich gerade herumzuärgern hat.
Und das Schönste ist, dass man – also ich zumindest – alle Probleme vergisst, wenn man sich in lustiger Runde zusammensetzt und ausgelassen über die Vergangenheit plaudert. Das verliert alles, was noch kommen könnte, für den Moment seine Wichtigkeit. Da geht man – also ich zumindest – voll im Augenblick auf. Das Hier und Jetzt, die gute Stimmung ist alles, was zählt. Da könnte man glatt sagen: „Augenblick verweile doch, du bist so schön!“
Nachdem diese Zeit des Unbeschwertseins nun (leider) wieder zu Ende ist, habe ich – ich bin ja immer noch Theologe – sofort begonnen, diese Unbeschwertheit zu reflektieren. Ja, und da dachte ich so: Vermutlich vergleicht Jesus den Himmel gerade deshalb mit einem Festmahl. Denn über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Da haben Ängste, Nöte und Sorgen keinen Zutritt. Das empfinde ich als tröstlich. Das, was mir im Leben zu selten gelingt, im Hier und Jetzt aufzugehen und alles Belastende loszulassen, wird sich im Himmel realisieren. Eines Tages darf ich mit Gott und all den lustigen Menschen, die mein Leben bereichert und etwas unbeschwerter gemacht haben, an einem großen Tisch sitzen, essen, trinken, lachen. Dann hat alles, was heute noch so ganz wichtig und groß erscheint, keine Bedeutung mehr. Im Himmel gehen wir ganz im Moment auf und genießen das Leben in vollen Zügen.

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