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Christliche Gedanken über den Tod

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„Und er selbst, unser Leben, stieg herab und trug unseren Tod und tötete ihn durch die Fülle seines Lebens“ (Augustinus, 354-430). Das klingt ziemlich pathetisch, fast so als würde uns der Tod nichts mehr angehen. Das ist meiner Meinung nach allerdings ein ziemlicher Irrtum. Denn der Tod ist für uns sehr wohl von Belang. Immerhin reisst er uns eines Tages aus dieser wunderschönen Welt hinaus. Dann ist hier für uns Feierabend.

Augustinus möchte allerdings auch gar nicht behaupten, dass der Tod bedeutungslos ist. Auch ein gläubiger Mensch kann angesichts des Todes in Zweifel geraten. Auch wer glaubt, trauert, wenn ein lieber Mensch aus dieser Welt scheidet. 

Allerdings kommt dem Tod aus der Perspektive des Glaubens eine andere Bedeutung zu. Ich formuliere die Worte Augustinus etwas um: In dem Menschen Jesus von Nazareth zeigt Gott, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. An Ostern zeigt Gott, dass der zerstörerischen Macht, die wir Menschen auszuüben, im Stande sind – und die wir auch immer wieder ausüben – nicht das letzte Wort haben wird. Gottes Ja zum Leben ist so stark, dass es selbst den Tod besiegt. Für uns Menschen gibt es Hoffnung über dieses irdische Leben hinaus.

„Nicht den Tod fürchten wir, sondern die Vorstellung von ihm. Denn von ihm sind wir immer gleich weit entfernt. Du aber denke immer an den Tod, um ihn nicht zu fürchten“, rät Seneca. Aus meiner Sicht ist es nun nicht nötig, sich ständig über den Tod Gedanken zu machen, sondern sich darüber bewusst zu werden, welche Bedeutung man dem Tod zuschreibt. 
Die Vorstellung, dass mit dem Tod alles vorbei ist uns er mich aus diesem wunderschönen Leben herausreisst, empfinde ich derzeit als ziemlich schrecklich. (Das liegt möglicherweise auch an meinem jugendlichen Alter und der Hoffnung darauf, dass in diesem Leben noch jede Menge schöne Dinge auf mich warten. Vielleicht würde ich das auch ganz anders sehen, wenn ich jetzt schon 95 wäre). Wie auch immer: Die Hoffnung, dass unsere Existenz das Dahinscheiden aus dieser Welt überdauern wird, empfinde ich als tröstlich. Irgendwann wird das Leben im „Himmel“ weitergehen. Der Tod ist nur der Übergang in eine neue Seinsform, ins neue Leben. 

Die Offenbarung des Johannes zeichnet folgendes Bild: „Da gab das Meer die Toten heraus, die in ihm waren. Auch der Tod und das Toteneich gaben ihre Toten heraus. Über alle wurde das Urteil gesprochen – über jeden so, wie es seinen Taten entsprach. Der Tod und das Totenreich wurden in den See aus Feuer geworfen. Das ist der zweite Tod: der See aus Feuer“ (Offenbarung 20,12ff.).

Als Theologe fällt es mir schwer, aber ich fasse mich kurz: Ich glaube nicht, dass Gott am Ende ein strenges Urteil über uns sprechen wird. Doch das Bild, dass der Tod selbst verbrannt wird gefällt mir. Am Ende hebt Gott die Grenze, die uns von ihm trennt auf und führt uns ins ewige Leben, wie auch immer das genau aussehen mag.

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