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Auf der Suche nach ?

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Es ist wieder mal Advent, die Zeit des Wartens und des Suchens. Doch worauf warten wir? Was suchen wir in dieser Zeit? Warten wir darauf, dass diese Welt endlich eine bessere wird? Suchen wir das Ende der Pandemie?

Ich glaube, wir suchen im Advent wie im ganzen Jahr den inneren Frieden. Eine innere Zufriedenheit, die uns dabei hilft, uns selbst und alle Menschen anzunehmen. Wir hoffen, dass sich erfüllt, was die Engel bei der Geburt Jesu verkünden „Friede auf Erden“. 

Im Matthäusevangelium findet sich eine Geschichte von Männern, die ebenfalls auf der Suche sind:

„Jesus wurde in Betlehem in Judäa geboren. Zu dieser Zeit war Herodes König. Da kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem. Sie fragten: »Wo ist der neugeborene König der Juden?Denn wir haben seinen Stern im Osten gesehen und sind gekommen, um ihn anzubeten.« …

Nachdem die Sterndeuter den König Herodes gehört hatten, machten sie sich auf den Weg. Derselbe Stern, den sie im Osten gesehen hatten, ging vor ihnen her. Dann blieb er stehen, genau über der Stelle, wo das Kind war. Als sie den Stern sahen, waren sie außer sich vor Freude. Sie gingen in das Haus und sahen das Kind mit Maria, seiner Mutter. Sie warfen sich vor ihm nieder und beteten es an“ (Matthäus 2,1ff.).

Die Sterndeuter machen sich auf den Weg, wobei sie gar nicht so genau wissen, was sie eigentlich suchen. Klar, sie sind auf dem Weg zum neuen König. Doch was das Auffinden eines neuen König eines weitentfernten Landes für einen Nutzen haben könnte, das ist ihnen vermutlich schleierhaft. Sie machen sich jedenfalls auf den Weg und sie finden, wonach sie suchen. Sie gelangen an einen unscheinbaren Stall, in dem der neugeborene „Friedefürst“ in einer Krippe liegt. Als sie ihn erblicken, werden sie von Freude erfüllt. Sie nehmen sich Zeit, verweilen. Sie beten Jesus an und überreichen ihm Geschenke. Der Anblick erfüllt sie mit tiefem Frieden. Fröhlich ziehen sie in ihre Heimat zurück.

Die Sterndeuter haben Glück gehabt. Sie haben Jesus, den Frieden der Welt, mit eigenen Augen gesehen. Sein Friede hat auf sie abgefärbt. Bei uns ist das irgendwie schwieriger. Die Adventszeit ist heutzutage vor allem mit einer Suche verbunden: Der Suche nach Geschenken. Und da ist es meist nicht sehr heilig, sondern sehr eilig. In dieser Zeit des Wartens auf das Wunder von Weihnachten nehmen wir uns kaum noch Zeit, uns auf das Wunder von Weihnachten auszurichten, unseren inneren Frieden zu finden. Viel zu viel ist zu besorgen und zu erledigen.

Besonders im Advent scheint die Zeit zu rasen. Zumindest kommt mir das so vor: Die Kinder schnell noch hier zu einer Weihnachtsfeier bringen. Dann dort noch schnell einen Punsch trinken, bevor es zum nächsten Termin geht. Plätzchen müssen ja auch noch gebacken werden, bevor der Advent schon wieder vorbei ist. Und der Weihnachtsbaum, schnell los, bevor der Letzte ausverkauft ist.

Ja, und dann sitzen wir am Heiligen Abend um den Christbaum und sind alle gestresst von dem, was hinter uns liegt. Mit etwas Glück schaffe ich es noch, die Weihnachtsgeschichte vorzulesen, bevor wir zum Krippenspiel aufbrechen, bei dem unsere Kinder mitwirken.

Ich glaube, was uns abhanden gekommen ist, ist das bewusste Sich-Zeit-nehmen. Die Sterndeuter aus der Bibel haben das noch getan. Als „Weise“ waren sie, so stelle ich mir das zumindest vor, vermutlich bei irgendeinem Herrscher angestellt. Die hatten sicher jede Menge zu tun: Den König beraten, Träume deuten, den Vogelflug beobachten und all solche Dinge, die ein „Weiser“ in dieser Zeit eben so zu tun hatte. Unterbeschäftigt waren sie jedenfalls nicht.

Und dennoch haben sie sich sofort unbezahlten Urlaub genommen, als sie diesen besonderen Stern gesehen haben. Sie wussten nicht, was sie da genau erwarten wird. Doch ihnen war klar, dass sich die Reise lohnen wird. So haben sie kurzerhand alles stehen und liegen gelassen und sind dem Stern gefolgt. Der Stern war das Einzige, das für sie gezählt hat. 

Und dann, als der Stern sie zum neugeborenen Friedefürst geführt hatte, haben sie sich die Zeit genommen, zu verweilen. Sie haben die Heiligkeit genossen, sind im Augenblick aufgegangen. Sie haben sich voll und ganz auf den Frieden, den dieses Ereignis gebracht hat, ausgerichtet.

Und ich hoffe, dass auch wir uns in dieser Advents- und Weihnachtszeit wieder einmal ganz bewusst Zeit nehmen. Dass wir uns Zeit nehmen, um über das nachzudenken, was diese Zeit bedeutet, wie das Wunder von Weihnachten uns das ganze Jahr über begleiten und verändern kann. 

Ich nehme mir vor, mich dieses Jahr nicht von zu vielen „Adventsterminen“ bei Vereinen usw. stressen zu lassen. Dieses Jahr möchte ich die Weihnachtszeit ganz bewusst geniessen, mir Zeit nehmen für meine Familie und gute Gespräche mit Menschen, die mir wichtig sind. 
Denn zu meiner inneren Ruhe, meinem inneren Frieden finde ich nur, wenn ich mir Zeit für das Wichtige nehme und mich nicht von Erwartungen anderer oder meinem Perfektionismus drängen lasse. Indem ich mir Zeit nehme, kann ich den Frieden der Adventszeit in mich aufnehmen und in diese Welt tragen. 

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