Auf dem Weg Richtung Zukunft

Auf dem Weg Richtung Zukunft

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Die Vergangenheit wiegt oft schwer. Ich kenne das von mir selbst. Wie oft habe ich Zweifel, ob mir eine verheissungsvolle Zukunft winkt. Wieso sollte es in der Zukunft auch besser werden? In der Vergangenheit ist so viel schief gelaufen. Da denke ich dann, hätte ich doch nur etwas anderes studiert, mir einen „gescheiten“ Beruf zugelegt. Dann wäre jetzt alles einfacher. Hinzu kommen noch diese unmöglichen Menschen, mit denen man immer wieder zu tun hat. Andere haben mir in meinem Leben schon ziemlich eins reingewürgt. Oder bin ich es vielleicht doch selbst an meiner Misere Schuld? Ich habe mich schliesslich nicht immer einwandfrei verhalten. Wenn ich so zurückdenke, dann haben ich selbst einige Fehler gemacht, habe mich provozieren lassen und mich auch in sonstigen Situationen nicht immer sehr vorbildlich verhalten. Ist meine jetzige Situation vielleicht sogar eine Strafe Gottes? Und wie sollte sich dann die Zukunft positiv entwickeln?

In der Bibel findet sich die Geschichte eines jungen Mannes, der auch daran zweifelt, dass ihm eine strahlende Zukunft winkt. Zu viel hat er in seinem Leben falsch gemacht, zu oft ist er an anderen schuldig geworden. Es ist die Geschichte von Jakob:

Jakob ist der zweitgeborene Zwilling. Damit steht von Anfang an fest, sein Leben wird ein Abenteuer. Denn er ist nicht erbberechtigt. Sollte er den Rest seines Lebens nicht als Handlanger seines Bruders fristen wollen, muss er einen unkonventionellen Weg finden. Und zunächst versucht er es mit Trickserei. Er versucht, seinen Bruder um sein Erstgeburtsrecht zu betrügen. Dies gelingt am Ende auch mit Hilfe seiner Mutter. Er erschleicht sich den Segen und das Erstgeburtsrecht. Doch sein Bruder nimmt das nicht ganz so locker und droht: Diesen Jakob, den bring ich um!
Kurzerhand macht Jakob sich auf den Weg in ein fremdes Land, in dem Verwandte leben. Bereits auf der Flucht macht er sich Sorgen: Wie werde ich von meinem Onkel aufgenommen? Und werde ich jemals wieder in meine Heimat zurückkehren können? Ich habe mich ja nicht gerade vorbildlich verhalten… Als er eines nachts erschöpft einschläft, träumt er. Jakob sieht eine Leiter, die bis in den Himmel reicht. Auf dieser Leiter steigen Engel hinauf und hinab und ganz oben steht Gott. Gott verspricht ihm, ihn wieder sicher in seine Heimat zurückzubringen.

Als Jakob am nächsten Morgen aufwacht, geht er seinen Weg zuversichtlich. Er ist überzeugt, dass in der Zukunft alles besser wird. Doch Pustekuchen. Sein Onkel nimmt ihn zwar einigermassen freundlich auf und nimmt ihn als Hirten in seine Dienste. Doch ganz so nett ist er dann doch wieder nicht. Er versucht Jakob um seinen Lohn zu betrügen und auch seine schöne Tochter möchte er ihm nicht zur Frau geben. Wieder einmal gelingt es Jakob nur mit List, sich durchzusetzen. 

Als er eines Tages keine Lust mehr hat, für seinen Onkel zu schuften, macht er sich dann ganz ohne Verabschiedung auf den Weg nach Hause. Der Onkel holt ihn noch ein und sie versöhnen sich.

Doch auch auch seinen weiteren Weg geht Jakob betrübt. Immer wieder muss er an seinen Bruder denken. Ist mein Bruder noch wütend? Was ist, wenn er mir mit einer bewaffneten Truppe entgegenzieht? Immer wieder denkt Jakob daran, was er in der Vergangenheit falsch gemacht hat. Nein, so jemand wie er hat keine leuchtende Zukunft verdient. In Gedanken steckt Jakob immer noch in der Vergangenheit. Er versucht sein Fehlverhalten irgendwie auszugleichen, schickt seinem Bruder Geschenke entgegen. Doch so richtig zuversichtlich ist er nicht. Er denkt nicht an Gottes Versprechen, ihn in eine verheissungsvolle Zukunft zu führen.

Völlig betrübt erreicht er abends den Grenzfluss Jabbok. Dieser Fluss trennt ihn vom Land seines Bruders. Ziemlich mutlos zieht er über die Furt des Flusses. Unvermittelt fährt die Geschichte fort: „Plötzlich war da jemand, der bis zum Morgengrauen mit ihm kämpfte. Aber er sah, dass er Jakob nicht besiegen konnte. Da packte er Jakob am Hüftgelenk, sodass es beim Ringen ausgerenkt wurde. Dabei sagte er: »Lass mich los! Denn der Tag bricht an.« Jakob entgegnete: »Ich lasse dich erst los, wenn du mich gesegnet hast.« Der andere fragte Jakob: »Wie heißt du?« Er antwortete: »Jakob.«Da sagte der andere: »Von nun an sollst du nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel, ›Gotteskämpfer‹. Denn du hast mit Gott und mit Menschen gekämpft und bist Sieger geblieben.« Jakob bat: »Sag mir doch deinen Namen!« Er erwiderte: »Wozu fragst du noch nach meinem Namen?« Und er segnete ihn dort.

Jakob nannte den Ort Penuel, das heißt: Angesicht Gottes. Denn er sagte: »Ich habe Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen und bin am Leben geblieben.« Als Jakob Penuel verließ, ging gerade die Sonne auf. Er hinkte wegen seiner verrenkten Hüfte“ (1. Mose 32, 25-32).

Mir geht es oft so wie Jakob. Ich hänge mit meinen Gedanken in der Vergangenheit. Ich kann die Gegenwart nicht geniessen, da ich die Zukunft fürchte. Eigentlich ziemlich dumm, denn ich habe ja nur die Gegenwart egal, was war und egal was kommen wird. Und noch dümmer ist, dass ich davon ausgehe, dass die Zukunft nicht wundervoll werden kann, weil es die Vergangenheit nicht war. Es käme ja auch niemand auf die Idee zu sagen, dass das Wetter morgen zwingend schlecht werden muss, weil es vorgestern wie aus Kübeln geschüttet hat. 

Jakob schafft es erst an eine positive Zukunft zu glauben, als er mit sich selbst und seiner Vergangenheit ringt. Ja, da ist doch irgendwo diese Verheissung Gottes, ihn eine glückliche Zukunft in seiner Heimat zu bereiten. Doch so recht glauben kann Jakob es nicht. Er muss erst mit sich selbst und mit dem, was einmal war, kämpfen. Und dabei bemerkt er: Eigentlich kämpfe ich damit dem Unverfügbaren. Ich möchte Gewissheit: Bist es wirklich du, Gott, der mich hier nach Hause führt. Oder ist es vielleicht meine eigene Ignoranz, die mich antreibt und letzten Endes ins Verderben führt. »Sag mir doch deinen Namen!« , wer auch immer du bist. Doch das Unverfügbare, mit dem er da ringt, sagt nur: »Wozu fragst du noch nach meinem Namen?« Welchen Unterschied macht das? Nimm die Zukunft doch einfach als Geschenk an. 
Und erst als Jakob dazu bereit ist, erhält er den Segen. Nun kann er seinen Weg freudig und zuversichtlich gehen. Er setzt einen ersten Schritt in Richtung Zukunft, weil er weiss, was früher war, bestimmt nicht zwangsläufig das, was noch kommen wird. Zwar hinkt Jakob nach diesem Ringen mit sich selbst, denn die Vergangenheit hinterlässt Spuren, doch er weiss, die Zukunft steht mir offen.
So geht Jakob weiter und es gelingt ihm das, was er für unmöglich gehalten hat. Er versöhnt sich mit seinem Bruder. Sie lassen die Vergangenheit ruhen und gehen in Frieden in die Zukunft.

Ja, die Vergangenheit mag schwer wiegen. Doch es ist meine Entscheidung, ob ich den ganzen Ballast mit mir herumschleppe oder doch zumindest einen Teil vertrauensvoll ablege.

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