Auf der Suche nach dem Glück

Auf der Suche nach dem Glück

  • Beitrags-Kommentare:0 Kommentare

Nun habe ich mir ja schon sehr viele Gedanken über den Sinn des Lebens und das Glück gemacht. Als ich so die Strasse entlanglaufe, treffe ich auf meinen guten Freund Arthur Schopenhauer. Ich erzähle ihm, dass es mir momentan gut geht und ich davon ausgehe, dass es in Zukunft noch besser wird. Er schaut mich irritiert an und fängt an loszuzetern. Na ja, sehr feinfühlig war er ja noch nie. 

Was mir von seinen Ausführungen hängen geblieben ist, ist Folgendes: Wir können, so betont Schopenhauer immer wieder, in unserem Leben nicht glücklich werden, weil wir das, was gerade angenehm ist, nicht geniessen, sondern nach dem Streben, was wir momentan nicht besitzen, uns aber einbilden, besitzen zu müssen. 

„Hmmm ja“, sage ich. „Da hast du wohl recht. Ich weiss noch, wie das im Krankenhaus war. Ich habe mich hundeelend gefühlt. Ich konnte nicht einmal selbssttändig mein Bett verlassen. Ich habe mich geschämt, so auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Da dachte ich: Wie zufrieden und glücklich werde ich sein, wenn ich den Alltag wieder selbst in die Hand nehmen kann. Doch kaum war ich aus dem Krankenhaus raus, war ich auch nicht glücklicher als zuvor…“

Sofort fällt mir Schopenhauer wieder ins Wort: „Daher kommt es, dass wir die Güter und Vortheile, die wir wirklich besitzen, gar nicht recht inne werden, noch sie schätzen, sondern nicht anders meinen, als eben es müsse so seyn: denn sie beglücken immer nur negativ, Leiden abhaltend. Erst nachdem wir sie verloren haben, wird uns ihr Werth fühlbar.“

„Jo, das habe ich ja gerade gesagt und dennoch verliert ein Ziel scheinbar kurze Zeit, nachdem ich es erreich habe, seinen Wert. Können wir auf dieser Welt denn gar nicht glücklich werden?“, frage ich resignierend nach.

Was uns „unglücklich macht, ist das Jagen nach Glück, aus der festen Voraussetzung, es müsse im Leben anzutreffen sein: daraus entspringt die fortwährend getäuschte Hoffnung und Unzufriedenheit,“ entgegnet mein Freund.

„Also darf ich das Glück gar nicht suchen, wenn ich es finden will? Das klingt mir ziemlich paradox“, halte ich entgegen.
Ich glaube, „dass die Gegenwart zu geniessen und dies zum Zweck seines Lebens zu machen, die grösste Weisheit sei; weil ja jene allem real, alles andere nur Gedankenspiel wäre“, antwortet Schopenhauer, lacht und zieht ohne mich eines weiteren Wortes zu würdigen von dannen.

Puh. Ich glaube, Schopenhauer hat recht. Es geht darum, im Hier und Jetzt zu leben. Die Gegenwart ist die einzige Zeit, in der wir leben. Die Vergangenheit ist nur Erinnerung, nicht mehr änderbar. Und die Zukunft ist ungewiss. Sich um die Zukunft zu sorgen, ist sinnlos. Denn was kommen wird, weiss kein Mensch. Jesus drückt es so aus: „Wer ist aber unter euch, der seiner Länge eine Elle zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt?“ (Mt 6,27).

Wir leben im Hier und Jetzt. Es gilt das Heute zu gestalten. Das beste aus jedem Moment zu machen. Nochmals kommen mir Worte meines Freundes Arthur Schopenhauer in den Sinn: „In der Vergangenheit hat kein Mensch gelebt, und in der Zukunft wird nie einer leben; sondern die Gegenwart allein ist die Form alles Lebens.“

Haben letzten Endes doch die Menschen, die Jesaja aufgrund ihrer Aussage „Lasst uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot!« (Jes 22,14) ablehnt, doch recht?

Ich neige nicht zur Pedanterie. Aber ein Leben so ganz ohne Vorsorge kann ich mir nicht vorstellen. Irgendwie möchte ich schon, dass für meine vier Kinder vorgesorgt ist. Und das ist vermutlich auch vernünftig so.
Doch wie oft ertappe ich mich dabei, dass ich den Augenblick nicht geniessen kann, weil ich schon an das, was noch kommen wird, denke. Die Zukunft mit ihrer Unsicherheit kann eine ziemliche Belastung sein. Und ebenso schädlich ist es, wenn man zu viel grübelt und über das nachdenkt, was bereits Vergangenheit ist.

Schopenhauer hat recht. Wir leben hier und heute. Das ist unser Leben. Jeder Moment ist kostbar. Und im Gegensatz zu Faust werde ich nicht gleich zugrunde gehen, „werd ich zum Augenblicke sagen, verweile doch! Du bist so schön!“

Schreibe einen Kommentar