Die Arbeit und das Lebensglück

Die Arbeit und das Lebensglück

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Ich habe Theologie studiert, weil ich dachte, dass ich im Beruf des Pfarrers voll aufgehen werde. Lebenszufriedenheit durch eine sinnvolle Arbeit, so dachte ich zumindest. Doch mit dieser Idee bin ich an der Realität gescheitert. Ich – und ich nehme an, viele andere – erleben den Arbeitsalltag nicht als Erfüllung. Die Arbeit, auch wenn sie Jahrzehnte ausgeführt wird, wird oft nicht zum Lebensinhalt des Arbeitnehmers, trägt in vielen Fällen auch nicht wesentlich zu seinem Lebensglück bei. Es gilt weiterhin das, was bereits Karl Marx beklagte, „dass die Arbeit dem Arbeiter äusserlich ist, das heisst nicht zu seinem Wesen gehört.“

Dabei tun Arbeitgeber inzwischen doch so ziemlich alles, dass Arbeit etwas von Freizeit hat. In Firmen gibt es Coffee Lounges, Fitnessräume oder Kickertische. In vielen Bereichen wird inzwischen mehr Wert auf Kreativität als pflichtbewusste Aufgabenerfüllung gelegt.

Das ist im Pfarramt irgendwie auch so. Einen Kickertisch habe ich zwar nicht, doch immerhin eine Kaffeemaschine. Kreativ soll ich auch sein. Doch das Pflichtbewusstsein darf nicht hintanstehen. Wie in den anderen Branchen dient auch bei ihr die Kreativität hauptsächlich dazu, dass die Institution dem Markt gerecht wird. Ich unterstelle: Kein Arbeitgeber würde Kreativität fördern, wenn er sich nicht etwas davon erhoffen würde. Alles, was uns auf der Arbeit geboten wird, dient dem Markt nicht den Bedürfnissen des Mitarbeiters.

Gut, das ist nun alles etwas negativ dargestellt. Es bleibt zu fragen, ob die Arbeit tatsächlich dazu da ist, um dem Arbeitnehmer Lebenssinn zu bieten. „Nicht der Glaube macht selig, nicht der Glaube an egoistische Pfaffen- und Adelzwecke, sondern die Arbeit macht selig, denn die Arbeit macht frei… das ist das allgemein menschliche Gesetz und die Grundbedingung alles Lebens und Strebens, alles Glückes und aller Seligkeit“, schrieb Heinrich Beta bereits 1845. Hat er mit seiner These, dass Arbeit Lebenssinn bietet, recht?

Ich denke ja und nein. Die Arbeit kann einen grossen Beitrag zur Zufriedenheit beitragen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass ich mich auf meiner Arbeitsstelle wohlfühle und davon überzeugt bin, einer sinnvollen Tätigkeit nachzugehen. 

Allerdings darf Arbeit nicht der einzige Lebensinhalt sein. Denn spätestens mit der Rente fällt dieser Lebenssinn weg. Arbeit ist ein Teil des Lebens ein wichtiger noch dazu, doch sie kann nie alle Lebensbereiche ausfüllen. Jeder Mensch muss weitere Bereiche in seinem Leben finden, die ihm das Gefühl vermitteln, etwas zu bewegen, ein erfülltes Leben zu führen.

Ich persönlich bin froh, dass ich in meiner Tätigkeit als freier Redner eine Beschäftigung gefunden habe, die mein Lebensglück steigert. Ich habe meine Berufung gefunden, in der ich meine Kreativität leben kann und zugleich anderen Menschen etwas Gutes tue. Das empfinde ich als wohltuend und beglückend. 
Doch bin ich zugleich dankbar, dass diese wundervolle Arbeit nicht alles ist, was zu meinem Lebensglück beiträgt. Vor allem ist das noch meine Familie, die mich glücklich macht. Es ist ein Vorrecht, mit einer wundervollen Frau verheiratet zu sein und vier Kinder zu haben, die das Leben zwar nicht immer einfacher machen, aber dennoch einzig- und grossartig machen.

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