Sich Zeit nehmen

Sich Zeit nehmen

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„Tut mir leid, ich kann jetzt nicht mit dir spielen. Ich muss jetzt ein paare Dinge am Computer erledigen.“ Vermutlich bin ich nicht der einzige Vater, der seine Kinder immer wieder vertröstet, weil er gerade „wichtigeres“ zu tun hat. Doch auch während ich diese Wichtigkeit erledige, fühle ich mich gestresst. Denn es wartet sofort die nächste Aufgabe auf mich. Manchmal habe ich das Gefühl, wir modernen Menschen haben alles ausser Zeit. Schnell einen Coffee to go während man auf den Zug wartet. Während der Zugfahrt bleibt leider keine Zeit, sich mit dem Sitznachbarn zu unterhalten, ein Buch zu lesen oder einfach entspannt die Landschaft zu geniessen. Es ist immer was zu tun. Dank Laptop und Smartphone können wir ja auch jederzeit an jedem Ort arbeiten. Für Zerstreuung, Entspannung und die schönen Dinge des Lebens bleibt keine Zeit. Einzig am Wochenende haben wir dann Zeit für Familie und Freunde. Dabei ballern wir uns diese „Freizeit“ so voll, dass wir selbst hier keinen Moment der Ruhe finden, nie richtig runterkommen. Eigentlich würde ich gerne mal etwas entspannen, mich erholen und die Zeit geniessen. Doch wie mache ich das?

In einem Weisheitsbuch des Alten Testaments heisst es: „Für alles gibt es eine bestimmte Stunde. Und jedes Vorhaben unter dem Himmel hat seine Zeit: Eine Zeit für die Geburt und eine Zeit für das Sterben. Eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Ausreißen des Gepflanzten. Eine Zeit zum Töten und eine Zeit zum Heilen. Eine Zeit zum Einreißen und eine Zeit zum Aufbauen. Eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen. Eine Zeit zum Klagen und eine Zeit zum Tanzen“ (Kohelet 3,1ff.).

Alles hat seine Zeit. Für alles, was uns wichtig ist, sollten wir uns Zeit nehmen. Denn sonst holt sich das Verpasste die Zeit zurück. Wer sich keine Zeit zum Ausgelassensein und Entspannen nimmt, landet früher oder später im Burn-out.

Es ist wichtig, den Dingen ihre Zeit einzuräumen. Zeit hat niemand von uns einfach so. Zeit muss man sich nehmen. Es müssen Prioritäten gesetzt werden. Und ebenso wichtig ist es, sich ganz auf das Gewählte zu fokussieren. Wenn ich beispielsweise mit meinem Sohn ein Brettspiel spiele, sind wir voll dabei. Da geht es dann um den nächsten Zug, den Spass, den wir beim Spielen haben. Diese Zeit ist wertvoll. Da ist es dann auch egal, wenn ich irgendwo im Nebenraum das Handy klingeln höre. Klar, ich könnte einen „wichtigen“ Anruf verpassen. Aber würde ich nicht mehr verpassen, wenn ich vom Spiel aufstehe, meinen Sohn warten lasse und nach dem Telefonat erst wieder ins Spiel zurückfinden müsste? 

Die Angst, etwas zu verpassen, treibt uns an. Aus diesem Grund nehmen wir uns keine Zeit. Jesus meint dazu ganz lapidar: „Seht euch die Raben an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie haben keine Vorratskammer oder Scheune. Trotzdem ernährt Gott sie. Wie viel mehr seid ihr wert als die Vögel! Wer von euch kann dadurch, dass er sich Sorgen macht, sein Leben nur um eine Stunde verlängern? Nicht einmal so eine Kleinigkeit bringt ihr fertig. Warum macht ihr euch Sorgen um all die anderen Dinge?“ (Lk 12,24ff.). 

Warum machen wir uns Sorgen? Alles in diesem Leben hat seine Zeit. Wir verlängern unser Leben nicht, indem wir versuchen, möglichst viel in den Tag hineinzupacken. Im schlimmsten Fall verkürzen wir es gar, da wir selbst unsere Gesundheit hintanstellen. Und vor allem: Wir verpassen das wahre Leben. Wir verpassen das Schöne. Die schönsten Momente erleben wir, wenn wir uns Zeit nehmen.

Alles im Leben hat seine Zeit. Nimm sie dir und sei glücklich mit dem, was der Moment dir schenkt.

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