Hoffnung

Hoffnung

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Heute möchte ich über das Thema Hoffnung sprechen. Dazu findet ihr sicher einen ganz tollen Artikel auf Wikipedia, den ich nicht gelesen habe. Heute also kein wissenschaftlicher Vortag darüber, was Hoffnung so allgemein bedeutet. Ich spreche darüber, worauf ich hoffe. Und als guter Theologe zitiere ich gleich zu Beginn einen Bibeltext. Dazu mache ich dort weiter, wo ich letzte Woche aufgehört habe und lese 1Ptr 1,3-5:
«Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus. In seiner großen Barmherzigkeit hat er uns neu geboren. Denn er hat uns eine lebendige Hoffnung geschenkt, weil Jesus Christus von den Toten auferstanden ist. Es ist die Hoffnung auf ein unvergängliches Erbe, das rein ist und nie seinen Wert verliert. Das hält Gott im Himmel für euch bereit, und er bewahrt euch durch seine Macht. Ihr sollt durch den Glauben gerettet werden. Das wird am Ende der Zeit offenbart werden.»
Etwas platt zusammengefasst: Es gibt ein Leben nach dem Tod, in dem der treue Glaube belohnt wird. Klingt irgendwie ganz nett. Aber da frage ich mich, ob das denn wirklich die ganze Hoffnung meines Lebens sein sollte: Hier durch das Jammertal gehen und im Himmel den verdienten Ausgleich erhalten. Da ich nicht der Erste bin, der sich diese Gedanken macht, frage ich meinen guten Freund Karl Marx, was er von dieser Hoffnung hält.
«Der Mensch macht die Religion, die Religion macht nicht den Menschen. Und zwar ist die Religion das Selbstbewusstsein und das Selbstgefühl des Menschen, der sich selbst entweder noch nicht erworben oder schon wieder verloren hat… Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volks. Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes ist die Forderung seines wirklichen Glücks. Die Forderung, die Illusionen über seinen Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand aufzugeben, der der Illusionen bedarf. Die Kritik der Religion ist also im Keim die Kritik des Jammertales, dessen Heiligenschein die Religion ist… Die Kritik der Religion enttäuscht den Menschen, damit er denke, handle, seine Wirklichkeit gestalte wie ein enttäuschter, zu Verstand gekommener Mensch… Die Kritik des Himmels verwandelt sich damit in die Kritik der Erde…»
Ja, danke für die pathetische Ausführung. Wenn ich Marx recht verstanden habe, sagt er in etwa Folgendes: Religion bringt die Unzufriedenheit des Menschen mit dieser teilweise sehr ungerechten und herzlosen Welt zum Ausdruck. Leider bewirkt die Hoffnung auf das Jenseits, die die Religion bietet, nun nicht, dass der Mensch aktiv wird, sondern dass er stillhält. Aufgrund der Hoffnung darauf, dass Gott am Ende schon für einen Ausgleich sorgen wird, hält der Mensch still. Die Hoffnung lähmt den Menschen. Er erträgt die Ungerechtigkeit, weil es ja irgendwann im Himmel den wohlverdienten Lohn geben wird.
Gut, bereits in der griechischen Mythologie entfleucht die Hoffnung ja der Büchse der Pandora. Die Hoffnung hilft uns also, diese Welt zu ertragen, hindert uns allerdings daran, die Umstände zu verändern. Sie ist, wie Marx sagt, das Opium des Volkes. Darum schlägt der gute Karl auch vor, den Menschen aus dem religiösen Rausch zu wecken, sodass er die Welt verändert. Er soll nicht in der Hoffnung auf den Himmel stecken bleiben, sondern Hoffnung für diese Erde haben. Denn es gib ja auch ein Leben vor dem Tod.
Da hat mein Freund ziemlich recht. Wenn mein Glaube mir nur Hoffnung auf ein Jenseits machen würde, wäre auch mir das etwas zu wenig. Klar im Vergleich zu einer glücklichen Ewigkeit fallen die vielleicht 80 Jahre, die ich hier auf dieser Welt zubringen muss, nicht sehr ins Gewicht. Aber andererseits wäre das ja auch ein merkwürdiges Gottesbild: Gott lässt uns in diesem Leben mal so richtig die Hölle durchmachen, damit wir uns den Himmel verdienen. Nicht so sympathisch.
Zum Glück hat mein Freund Karl in Bibelkunde nicht so gut aufgepasst. Denn Glaube bietet nicht nur auf Hoffnung auf ein Jenseits, sondern Hoffnung darauf, dass wir aus unserem Leben mit Gottes Hilfe das Beste machen können: «Da drängte sich eine Frau von hinten an Jesus heran, die seit zwölf Jahren an Blutungen litt. Sie berührte eine Quaste seines Mantels. Denn sie sagte sich: »Wenn ich nur seinen Mantel berühre, werde ich gesund.« Jesus drehte sich um. Als er sie sah, sagte er: »Nur Mut, meine Tochter! Dein Glaube hat dich gerettet! «Von diesem Augenblick an war die Frau gesund» (Mt 9,20ff.).
Jesus nimmt sich ganz weltlicher Sorgen der Menschen an. Mir wäre keine Bibelstelle bekannt, in der Jesus sagt: «Ja, das ist wirklich schlimm. Aber keine Sorge im Himmel wird alles gut.» Jesus wendet sich den Menschen, die ihn aufsuchen, ganz konkret zu. Er hilft ihnen dabei, ihre Probleme wieder in den Griff zu bekommen. Und entlässt sie so in ein Leben, das wieder eine Perspektive hat. Er bietet Hoffnung, dass das Leben weitergeht.
Und genau diese Hoffnung bietet mir der Glaube: Das Leben geht weiter, egal was passiert. Gut, das ist jetzt wieder etwas flach.
Ich hoffe darauf, dass Gott mich durch mein Leben begleitet, jederzeit an meiner Seite ist. Das gibt mir – ganz im Gegensatz zu der Behauptung von Marx – die Kraft, in meinem Leben Veränderungsprozesse anzustossen. Denn ich hoffe nicht nur auf ein gutes Leben im Himmel, sondern auch auf ein gelingendes Leben hier auf dieser Erde. Genau das hat Jesus auch getan. Er meint ja auch ganz lapidar: «Gott ist kein Gott der Toten, sondern der Lebendigen» (Lk 20,38). Und daher vertraue ich darauf, dass Gott mir immer wieder Gutes zukommen lässt. Und da Gott in den meisten Fällen durch Menschen handelt, motiviert mich der Glaube, aktiv zu werden. Wenn Gott die Welt verändert, dann durch Menschen, die sich von seiner Hoffnung für diese Welt begeistern lassen. Ich hoffe darauf, dass Gott mir die nötige Kraft schenkt, die vor mir liegenden Aufgaben anzupacken. Und ich hoffe darauf, dass ich nicht der einzige Mensch bin, dem es so geht. Ich hoffe, dass ganz viele Menschen mit mir die Welt verändern. Und ich hoffe darauf, dass Gott mir immer, wenn es mir schlecht geht, hilfsbereite Menschen zur Seite stellt. Denn das ist unsere Hauptaufgabe als Christen, einander eine Art Christus werden und dafür sorgen, dass in unseren Mitmenschen die Hoffnung auf ein gelingendes Leben weiterbrennt.

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