Von Motten und Menschen

Von Motten und Menschen

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Wir Menschen sind ein bisschen wie Motten. Auch wir streben immer dem Licht entgegen. Und wie Motten haben auch wir das Problem, dass manche Lichtquellen gefährlich sind. Motten können nicht zwischen gutem und schlechtem Licht unterscheiden. Sie fliegen einfach darauf zu. Und wenn es dann bzzt macht und sie tot zu Boden fallen, war es wohl ein elektrischer Insektenvernichter.

Bei uns Menschen ist es ähnlich. Oft steuern wir ohne nachzudenken auf Lichtquellen zu. Wir fragen uns nicht, ob die Dinge, die uns anziehen, das Leben fördern oder schädigen. Hauptsache, es wird etwas heller. Und oft haben wir das Gefühl, dass ganz banale Dinge wie Geld, Einfluss, ein neues Auto usw. unser Leben aufleuchten lassen.

Ich frage mich gelegentlich, ob das alles ist, was mein Leben in helles Licht taucht. «Denn die Dunkelheit vergeht, und das Licht der göttlichen Wahrheit leuchtet schon» (1Joh 2,8), meint der Apostel Johannes. Was macht mein Leben wirklich hell, frage ich mich.

«Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben», sagt Jesus (Joh 8,12). Doch was meint er damit? Denn wenn ich mir das Leben Jesu anschaue, dann scheint mir das nicht ganz so erleuchtet gewesen zu sein. Jesus zog ca. 2 Jahre als Wanderprediger durch das Land. Besonders einkömmlich war diese Tätigkeit wohl nicht. Und erschwerend kommt noch hinzu, dass Jesus sich mit einer Bande von Versagern rumärgern musste. Da gab es einen Petrus, der sich im entscheidenden Moment nicht zu Jesus bekannt, einen Judas, der Jesus dem sicheren Tod preisgab und ein Thomas, der nicht glaubte. Und am Ende starb Jesus von allen Freunden verlassen einsam am Kreuz. Und im letzten Moment seines Lebens verfinstert sich auch noch der Himmel über ihm. Also, da sehe ich nun wirklich kein Licht am Ende des Tunnels.

Ich glaube, dass Jesus sein Leben als lichterfüllt wahrgenommen hat, weil er ein Ziel hatte. Er ist nicht wie eine Motte auf der Suche nach einer beliebigen Lichtquelle durch die Welt geschwirrt. Jesus wusste, wozu er lebt. Er hat Gott als seine Lichtquelle ausgemacht. Und auf diese Lichtquelle hat er sich zielstrebig zu bewegt, obwohl ihn dieser Weg auch über längere Strecken durch die Dunkelheit geführt hat.

Und ich glaube, das ist das Entscheidende für uns Menschen: Wir brauchen ein Wozu, ein Ziel in unserem Leben. Wer wie eine Motte auf immer wieder neue Lichtquellen zufliegt, ohne zu wissen, aus welchem Grund er dieses Licht ansteuert, wird sein Leben lang orientierungslos durch diese Welt irren. Und in den Momenten, in denen er keine Lichtquelle erblickt, wird er sein Leben als dunkel und sinnlos erfahren. Und ob die Lichtquellen, die er ansteuert, ihm dauerhaftes Glück gewähren, bleibt fraglich.

Wer sein Leben auf ein Ziel ausrichtet, empfindet sein Leben sinnvoll, auch wenn immer wieder Wegabschnitte durch die Dunkelheit führen. Denn «das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht ergriffen» (Joh 1,5). Wer weiss, dass er sich auf das wahre Licht zu bewegt, hat auch im Dunkeln keine Angst. Denn das Leben besteht aus Licht und Schatten. Das Entscheidende ist das Wissen, sich auf das Licht zuzubewegen.
Welches Licht hast du als Ziel deines Lebens festgelegt?

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