Wie ich wurde, wer ich bin

Wie ich wurde, wer ich bin

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Zunächst eine nüchterne Feststellung darüber, was ich überhaupt bin: vierfacher Familienvater, Pfarrer, freier Redner, in der Schweiz lebender Pfälzer. So weit, so gut. Nun reflektiere ich mich etwas selbst und versuche herauszufinden, wie ich all das geworden bin.

Wie wurde ich Schweizer Pfarrer?
Gelegentlich frage ich mich, was der liebe Gott gegen mich hat, dass er mich in seinen Dienst gerufen hat. Höchstwahrscheinlich hängt das mit meinen Genen zusammen. Als Sohn zweiter Pfarrer, Pardon eines Pfarrers und einer Pfarrerin war dieses Schicksal wohl kaum zu vermeiden.

Bereits als kleines Kind habe ich die biblischen Geschichten im Kindergottesdienst kennengelernt. Möglicherweise habe ich sie bereits mit der Muttermilch aufgesogen.

Im Jugendalter habe ich mich dann ziemlich von der Kirche entfernt. In Gottesdiensten bin ich aufgetaucht, weil ich es musste, um konfirmiert zu werden. Danach habe ich kirchliche Gebäude nur selten von innen gesehen. Denn Kirche ist irgendwie ziemlich uncool. Da hatte ich als «normaler Mensch» einfach nichts drin verloren.
Dennoch habe ich mich nach wie vor für religiös-philosophische Fragen interessiert. Ja, irgendwie war Religion das einzige Fach, in dem ich trotz eklatanter Faulheit einigermassen Glänzen konnte. Es war wohl göttliche Vorsehung, dass ich Theologe wurde.
Nachdem ich dann ein Praktikum bei einem Juristen als nicht gerade spannend empfunden habe, stand mein Entschluss fest: Da ich nichts anderes kann, werde ich Theologe!

Kurzerhand habe ich mich an der Theologische Fakultät in Heidelberg eingeschrieben und mich dort gleich wohlgefühlt. Vermutlich habe ich das vornehmlich meiner geliebten Frau, Theresa, zu verdanken, die ich am ersten Studientag kennenlernte. Zunächst fand sie mich etwas doof, aber am Ende hat sie mich doch geheiratet und mich damit zum glücklichsten Ehemann gemacht.

Das Studium ging mir leicht von der Hand. Im Gegensatz zur Schule hat mich das Studieren richtig fasziniert. Merkwürdig, dass ich mich ausgerechnet für Dinge interessiere, die mit dem alltäglichen Leben nichts zu tun haben. Naja, «den Seinen gibt`s der Herr im Schlaf», doch was er einem gibt, kann man sich scheinbar nicht aussuchen. Sei`s drum. Nach elf Semestern ging die schöne Studienzeit zu Ende. Denn meine Frau war der irrigen Auffassung, dass wir – sie, ich und zwei Kinder – nicht von Luft und Liebe leben könnten.

Also ging es ab ins Predigerseminar nach Landau. Hier lernte ich in der Theorie alles, was ich als Pfarrer in der Praxis können muss und das ist nicht viel: Ein passionierter Prediger sollte ich sein, ein ausgebuffter Pädagoge, bei Jung und Alt beliebt, immer einen klugen Ratschlag parat haben, ohne zu bevormunden und bei all dem auch noch gut aussehen.

Was soll ich sagen? Bisher gelingt mir das ganz gut!
Nachdem das Vikariat zu Ende ging und ich – höflich ausgedrückt – von meinem Arbeitgeber nicht gerade überzeugt war, zog es mich und meine Familie nach Wittenbach bei St. Gallen an den Bodensee.

Wie wurde ich freier Redner?
Im Juni 2015 zogen meine Familie (inzwischen drei Kinder) und ich also nach Wittenbach. Hier sollte ich nun die ortsansässige Herde des Herrn hüten. Leider gelang es mir nicht, mich zum Leithammel aufzuschwingen und so zog ich weiter.

Zunächst durfte ich diverse Vertretungen in verschiedenen Bereichen übernehmen: Neben Fundraising und seelsorgerlichem Engagement hatte ich das grosse Vergnügen, immer wieder in den schulischen Bereich hineinzuschnuppern.

In dieser nicht immer ganz einfachen Zeit zwischen 2017 und 2019 habe ich viel über mich selbst und über den Umgang mit Menschen gelernt. Als Theologe hat mir das praktische Engagement selbstverständlich nicht gereicht. Sagt nicht bereits der Teufel in Goethes Faust «grau mein Freund ist`s ohne Theorie»? Wie auch immer, ich beschloss: Eine Weiterbildung muss her. Und da zwei oder drei gleich besser ist als eins, bildete ich mich fleissig im Bereich Seelsorge (KSA und Systemische Seelsorge) und Paarbegleitung weiter.

In eben diese Zeit fällt auch jene schicksalhafte Trauung, an deren Ende eine nette Organistin zu mir sagte: «Mensch Daniel, du machst das so toll! Du solltest dir eine Homepage zulegen.» Um eine eben solche habe ich meinen Schwager gebeten und als meine Seite im Sommer 2017 an den Start ging, begann meine Karriere als Trau- und Trauerredner.

In diesem nebenberuflichen Engagement habe ich meine Passion gefunden. Ich liebe es, Menschen kennenzulernen, ihnen zuzuhören, ihre Freude zu teilen und ihnen in schwierigen Zeiten beizustehen. Und auf der Bühne stehe ich auch noch gerne. Kurz: Eine schönere Beschäftigung kann ich mir nicht vorstellen.

Im Sommer 2019 habe ich eine Teilzeitstelle als Gemeindepfarrer in Wolfhalden (AR) angenommen, diese immer wieder durch Vertretungen ergänzt und nun durch eine weitere Teilzeitstelle in Uetikon am Zürichsee komplettiert.

Und da auch das private Leben nicht stehen bleibt und drei Kinder noch nicht Glück genug für uns waren, kam im Januar 2021 noch Kind Nummer 4, um unsere Familie zu vervollständigen.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Sina

    Daniel hat Freunde von uns getraut und wir waren von seinem Gottesdienst sehr angetan. Von daher war uns klar, wenn wir heiraten, möchten wir ebenfalls Daniel haben, ER soll uns trauen.
    Das tat er auch und es war eine wunderschöne Trauung. Wir sind noch heute begeistert, wie liebevoll, humorvoll , ernst und dynamisch der Gottesdienst war.
    Nicht nur wir sondern auch all unsere Gäste waren restlos begeistert von Daniel.
    Danke, dass du unseren Tag unvergesslich gemacht hast!!!

    1. Daniel Kiefer

      Liebe Sina,
      vielen Dank für deine Rückmeldung.
      Es freut mich, dass ihr euch gerne an eure Trauung erinnert und noch mehr freut es mich, dass wir immer noch in Kontakt stehen.

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