Von Taufen und Willkommensfeiern

Von Taufen und Willkommensfeiern

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Ihr seid gerade Eltern geworden? Herzlichen Glückwunsch! Nun seid ihr am Überlegen, wie ihr euren kleinen Sonnenschein mit einem Fest angemessen auf dieser Welt begrüssen könnt.
Ich stelle euch drei mögliche Formen eines Begrüssungsfestes vor. Zwei davon sind religiös geprägt: Die Taufe und die Segnungsfeier. Die dritte Variante hat säkulare Wurzeln: Die Willkommensfeier.

Die Taufe
Die Taufe symbolisiert Gottes Zusage, uns Menschen durch unser Leben zu begleiten. Wer sein Kind christlich taufen lässt, sagt damit: Ich vertraue darauf, dass unser Kind seinen Lebensweg nicht alleine gehen wird. Gott wird unser Kind begleiten durch alle Höhen und Tiefen.

Ich bin ja nun vierfacher Vater und verfüge damit über einige Erfahrung. Und eigentlich sollte man meinen, der hat alles schon mal mitgemacht, den haut so leicht nichts um. Doch bei jedem Kind gibt es immer wieder Schockmomente. Jedes Neugeborene stellt seine Eltern vor neue Herausforderungen. Und bei aller Freude, die wir als Eltern empfinden, kommen doch immer wieder Momente der Sorge: Das Baby trinkt nicht mehr richtig, eine Veränderung des Verhaltens oder sogar ein Sturz. Und ich kann euch versichern, das wird mit zunehmendem Alter nicht besser. Es kommen immer wieder diese Momente, in denen Eltern sich zutiefst um ihr Kind Sorgen machen.
Eines schönen Nachmittags sassen wir mit Freunden im Garten und haben Kuchen gegessen. Die Kinder waren am Spielen. Auf einmal kam unser kleiner Sohn: „Pflaumen gessen.“ „Moment“, dachte ich da, „wir haben gar keine Pflaumen im Garten.“ Und dann hat mein Sohn mir gezeigt, was er für Pflaumen gehalten hat, Kirschlorbeeren. Da war der Schrecken erst mal gross: Denn selbst als Hobbybotaniker weiss ich, Kirschlorbeer ist giftig. Also schnell bei der Giftnotrufzentrale angerufen und nachgefragt. Gott sei Dank kam Entwarnung, die Beeren sind unbedenklich, so lange nicht zu viele Kerne zerkaut werden…
Kurz: Die Taufe steht auch für die Unverfügbarkeit des Lebens. Wer weiss schon, auf welche Schockmomente und Hürden er im Laufe seines Lebens noch stossen wird. Doch zugleich ist die Taufe auch Zeichen der Hoffnung. Trotz der Unverfügbarkeit des Lebens vertraue ich auf Gottes Nähe, seinen Schutz seine Begleitung. Wer glaubt, vertraut trotz des Wissens, dass das Leben immer unberechenbar bleibt.

Eine Taufzeremonie empfehle ich Eltern, für die der Glaube Alltagsrelevanz besitzt und sich selbst von Gott getragen fühlen. Denn letzten Endes ist die Taufe immer auch Zusage der Eltern, den gelebten Glauben an die Kinder weiterzugeben, sie christlich zu erziehen und ihnen in Glaubensfragen Rede und Antwort zu stehen. Das muss man erst mal wollen. 

Die Segnung
Vom Glaubensinhalt her gibt es keine bedeutsamen Unterschiede zwischen Taufe und Segnung, beide zeugen vom Vertrauen auf Gottes Zuwendung im Leben des Kindes.

Achtung! Nun wird es etwas geschichtlich und theologisch (Abschnitt kann ausgelassen werden):
Entstanden ist das Ritual der Kindersegnung in der Reformationszeit in Zürich. Eine Gruppe überzeugter Christen hielt die Reformen, die der Reformator der Stadt, Ulrich Zwingli, durchsetzte, für zu lasch. Auch in Sachen Taufe vertraten sie eine andere Meinung als der Reformator: Die Taufe, so die Hauptthese, setzt den Glauben voraus. Es darf sich also nur taufen lassen, wer bereits glaubt. Der Täuferreformator Balthasar Hubmaier hält fest: „Die Taufe macht keinen Christen, so wie eine Kutte keinen Mönch macht.“ Entscheidend ist die innere Hinwendung des Menschen zu Gott, die Geisttaufe. Die Wassertaufe ist die öffentliche Bekundung des innerlichen Geschehens.

Zwingli widersprach dieser Auffassung: Die Taufe ist Zeichen des Bundes Gottes und der gilt allen Menschen, auch Säuglingen. (Weitere theologische Argumente pro Kindertaufe gerne auf Nachfrage).

Nun wollten die täuferischen Christen selbstverständlich auch die Zugehörigkeit ihrer Kinder zum Volk Gottes zeichenhaft zum Ausdruck bringen und so entstand das Ritual der Kindersegnung, welches seinen biblischen Ursprung in Markus 10,13-16.

Gerade heute ist die Kindersegnung ein beliebter werdendes Ritual. Denn es ist unverbindlicher als die Taufe und lässt den Kindern mehr Freiheit. Eine Segnung nimmt nicht in die Kirche auf. Das Argument vieler Eltern: So kann unser Kind später selbst entscheiden, ob der Glaube etwas für es ist. Natürlich gilt hier: Es bleibt Aufgabe der Eltern, ihr Kind „christlich“ zu erziehen, Werte zu vermitteln und in den Glauben einzuführen. Denn wie sollte sich ein Kind später für eine Religion entscheiden, wenn es nie mit ihr in Berührung gekommen ist?
So ist auch die Segnung ein Ritual für Eltern, denen der Glaube etwas bedeutet.

Das Willkommensfest / die Willkommensfeier
Das Willkommensfest ist eine Feier des Lebens. Der neue Erdenbürger wird gebührend willkommengeheissen. 
Willkommensfeiern können ganz auf religiöse Inhalte verzichten. Im Zentrum der Feier steht die Familie mit ihrem Baby. Der Fokus der Zeremonie liegt ganz klar auf der Einzigartigkeit des neuen Erdenbürgers und seiner Familie.

Neben einer Rede gehört zu dem Anlass ein Ritual. Möglich ist beispielsweise das Pflanzen eines Baumes, der mit dem Kind gemeinsam wächst, das Anfertigen eines Fussabdrucks mit guten Wünschen oder oder oder.

Ein Willkommensfest ist eine schöne Alternative zur Taufe für Eltern, die religiös nicht verwurzelt sind und ihrem Kind dennoch gute Wünsche mit auf den Lebensweg geben möchten.

Ist ein Willkommensfest individueller?
Ja und nein. Insofern die Taufe im Rahmen eines Sonntagsgottesdienstes ist der Rahmen zumindest grob abgesteckt. D.h. nun aber nicht, dass die Taufansprache nicht persönlich wäre oder die Beteiligung von Familie und Paten nicht erwünscht wäre. Ganz im Gegenteil! Doch gewisse liturgische Elemente wie Gemeindegesang, Fürbitten usw. gehören einfach dazu.

Die meisten Kirchengemeinden ermöglichen heutzutage allerdings auch Taufen und Segnungen in separaten Gottesdiensten. Diese werden entsprechend den Wünschen der Taufeltern gestaltet und müssen nicht zwingend in einem Kirchengebäude stattfinden. Auch der Ablauf der Zeremonie ist relativ offen. Auch für kleine Familienrituale wie das Anfertigen eines Fussabdrucks ist Platz. Oft werden auch Musiker engagiert, sodass das fest auch musikalisch den Wünschen der Familie entspricht.
Eine Tauf- oder Segnungszeremonie kann sowohl in der Kirche als auch mit einem freien Theologen sehr individuell und persönlich gestaltet werden, sodass qualitativ kein Unterschied zu einer Willkommensfeier zu befürchten ist.

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