Segen – Was ist das?

Segen – Was ist das?

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Von Brautpaaren, die sich ihr Ja-Wort in der Kirche oder im Rahmen einer freien christlichen Zeremonie geben, wird der Segen meist als zentrales Element der Trauung benannt. «Also, auch wenn wir jetzt keine grossen Kirchgänger sind, ist der Glaube jetzt doch ein stückweit ein Teil von uns und deswegen wollten wir auch diesen kirchlichen bzw. Gottes Segen für die Ehe haben», berichtete mir eine Braut im Rahmen eines Interviews. Und ein anderes Paar gibt an: «Wir möchten bewusst auch den Segen von Gott so erhalten».
Aber was ist das überhaupt «Gottes Segen»?

Segen – Eine Verheissung
Der Segen kommt in der Bibel immer wieder an prominenter Stelle vor.
Da ist der alte Abraham, der sich nichts sehnlicher wünscht als einen Sohn, der ihn eines Tages beerben wird. Doch alles spricht gegen dieses Versprechen. Sarai, die Frau Abrahams, ist weit über das gebärfähige Alter hinaus. Kurzerhand beschliessen Abraham und seine Frau, etwas zu tricksen. Abraham zeugt mit einer Sklavin ein Kind.
Doch eines Tages meldet sich Gott wieder zu Wort: «Und Gott sprach abermals zu Abraham: Du sollst Sarai, deine Frau, nicht mehr Sarai nennen, sondern Sara soll ihr Name sein. Denn ich will sie segnen, und auch von ihr will ich dir einen Sohn geben; ich will sie segnen, und Völker sollen aus ihr werden und Könige über viele Völker» (Gen 17,15f.).
Doch es dauert noch seine Zeit, bis der Segen sich erfüllt. Als Gott die beiden wieder einmal besucht, lacht Sara, als sie erneut das Versprechen hört, dass sie einen Sohn gebären soll. Daraufhin verspricht Gott, dass sie bei seinem nächsten Besuch in einem Jahr ein Kind haben wird. Und es kommt, wie Gott es versprochen hat: Sara wird schwanger und gebiert Isaak.
Segen bedeutet also immer auch Zweifel. Es ist nicht so, dass ein gesegneter Mensch immer nur schöne Tage erlebt. Auch auf gläubige Menschen warten im Laufe des Lebens schwierige Zeiten. Segen kann sich nur verwirklichen, wenn man sich an ihn klammert, darauf vertraut, dass Gottes Zusage zuverlässig ist, auch wenn der Segen gerade nicht spürbar ist. Segen heisst auch Gottes Beistand in schwierigen Zeiten, wenn von der Zusage des Segens gerade nicht viel spürbar ist.

Segen – Ein Zuspruch
Im Rahmen der Trauung wird einem Paar Gottes Segen zugesprochen. Der Segen ist für mich ein Zuspruch an das Paar. Ich spreche ihm zu, dass sein gemeinsamer Weg unter Gottes Schutz steht. Wer gesegnet ist, geht mit Gott, egal, was das Leben für ihn bereithält. Oder wie Paulus sagt: «Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn» (Röm 8,38). Wer auf den Segen Gottes vertraut, weiss sich von Gott getragen, egal, was in diesem Leben auf ihn zukommt.
Kurz: Segen setzt Glauben voraus. Wer davon ausgeht, dass er mit Gottes Segen einfacher oder gar unbescholten durchs Leben kommt, irrt. Zwar ist jede glückliche Wendung im Leben ein Zeichen von Gottes Segen, doch bedeuten Schicksalsschläge nicht, dass Gottes Segen gebrochen wurde. Der Segen zeigt sich gerade darin, dass man mit Schicksalsschlägen fertig wird, trotz allem daran festhält, dass Gott bei einem ist. Ja, ich glaube, das Vertrauen in Gottes Segen hilft Paaren dabei, das Leben nicht immer ganz so ernst zu nehmen und vor allem sich selbst, die eigenen Wünsche und Pläne nicht immer an vorderste Stelle zu setzen, sondern auch einmal über sich selbst zu lachen, seinem Partner zu verzeihen und ihn so anzunehmen, wie er ist. Der Segen Gottes zeigt sich im Mut, das Leben anzupacken und es im Vertrauen auf Gottes Dasein zu meistern.

Segen – Eine Verpflichtung
Dass es nichts auf dieser Welt umsonst gibt, erfährt Abraham spätestens in dem Moment, in dem Gott zu ihm sagt: «Ich will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein» (Gen 12,2).
Der empfangene Segen verpflichtet dazu, selbst Solidarität zu leben und sich für andere Menschen einzusetzen. Pointierter als der Reformator Ulrich Zwingli kann ich es nicht zusammenfassen: «Das Christsein ist nicht schwatzen von Christus, sondern leben, wie er gelebt hat.» Gottes Segen verwirklicht sich auf dieser Welt durch Menschen, die den empfangenen Segen nicht für sich allein beanspruchen, sondern bereit sind, ihn in die Welt zutragen. Der Segen hat nämlich eine wunderbare Eigenschaft: Seine Wirkung wird grösser, je mehr er geteilt wird. Wer den empfangenen Segen mit der Welt teilt, verliert nichts, sondern gewinnt noch hinzu.

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