Wie sieht Gott aus

Wie sieht Gott aus

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«Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht! Denn ich, der Herr, dein Gott» (Ex 20,4f.).

Warum soll ich mir kein Bild von Gott machen? So eine schöne Bronzeplastik oder ein hübsches Aquarell hätte doch etwas für sich. So könnte ich mir Gott besser vorstellen, so als netten Opa mit Bart oder als muskulösen Superhelden oder als liebende Mutter. Doch geht es diesem Gebot um die bildliche Darstellung? Niemand weiss, wie Gott aussieht. Daher dürfte er über ein Bild von sich doch schmunzeln können.
Das Problem ist nicht das Bild, das wir für unser Auge entwerfen, sondern die damit verbundene Festlegung Gottes. Der Superheld ist eben nicht nur muskulös, sondern in jeder Hinsicht heldenhaft, tapfer und moralisch integer. Batman ausgenommen. Gott wehrt sich gegen diese Festlegung.

Zwar spricht auch die Bibel ausschliesslich in Bildern von Gott. Er wird mit einem Vater verglichen, der sich um seine Kinder kümmert. Er hat Züge einer um ihre Jungen kämpfenden Bärin. Und gelegentlich ist er wie eine Henne, die ihre Kinder um sich sammelt. Doch dabei entwirft die Bibel niemals ein vollumfängliches Bild Gottes. Sie sagt nicht: Gott ist so und so, sondern sie nutzt Bilder, um Aspekte von Gottes Persönlichkeit zu verdeutlichen. Dabei vermeidet sie es, Gott in eine Schublade zu stecken. Daher werden auch verschiedenste, sich teilweise widersprechende Bilder von Gott entworfen: Er ist zugleich ein verzehrendes Feuer und die Liebe. Gott eifert und ist doch langmütig.
Irgendwie verwirrend. Gott vereint so viele sich widersprechende Eigenschaften. Doch ganz so verwunderlich ist das nicht. Auch wir Menschen vereinen verschiedene Eigenschaften. Manch einer ist im Beruf ein gerissener Stratege und zäher Verhandlungspartner, doch zu Hause ein liebevoller Ehemann. Die Bibel verdeutlicht, dass Gott so vielseitig wie wir Menschen ist. Und vor allem: Gott ist grösser als unsere Vorstellungskraft. Wir können nur in Bildern von ihm sprechen und ihn damit doch nie fassen. Als Mensch kann ich Gottes Wesen niemals ganz begreifen.
«Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr, «sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken» (Jes 55,8f.).
Gottes Gedanken sind anders als unsere Gedanken und wir können seine Wege nicht ergründen. Gott ist uns ganz nahe und doch nicht erkennbar. Er passt in keine Schublade. Denn «Die Sonne hat der Herr an den Himmel gestellt. Er hat aber gesagt, er wolle im Dunkel wohnen» (1Kön 8,12). Sein Göttliches Licht erhellt unser Leben und doch bleibt er selbst uns verborgen. Selbst die Bibel offenbart nur Bruchstücke des Wesens Gottes. Gottes Wesen bleibt uns stets entzogen. Wir können kein Bild entwerfen, das Gottes Grösse fasst.

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