Traditionell oder modern – Wie stellt ihr euch eure Trauung vor?

Traditionell oder modern – Wie stellt ihr euch eure Trauung vor?

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Wie werdet Ihr heiraten? Ganz klassisch in der Kirche mit einem Pfarrer im Talar bzw. einem Priester in schicker Albe, dazu jede Menge religiöse Bräuche und natürlich das klassische Ringritual? Oder macht ihr das ganz anders: Freie Trauung ohne traditionelle Altlasten, ganz modern und anders?

Ich habe mit Paaren gesprochen. Manche haben frei geheiratet, andere traditionell kirchlich. Schauen wir mal, ob euch die Gedanken und Beweggründe der Paare bei eurer Planung weiterhelfen.

Wir heiraten traditionell kirchlich
Immer noch entscheiden sich viele Paare für eine kirchliche Trauung. Klar in Mitteleuropa gehört das irgendwie dazu: Das ist eben das übliche Vorgehen, hinzukommt bei vielen Frauen der Kindheitstraum von der Hochzeit in Weiss in einer romantischen Kirche.

So meinte ein Interviewpartner scherzhaft: «Ich bin evangelisch. Sie ist ungläubig.» Und sie fügt hinzu: «das war immer ein Traum von mir und deswegen». Ausserdem: «Gefühlt ist für mich erst dann eine Ehe wirklich. Also wenn man in der Kirche war und dann der Pfarrer einen traut.»

Insgesamt gibt vielen Paaren der vertraute Rahmen Sicherheit. Eine kirchliche Trauung läuft immer in etwa gleich ab. Das weiss man einfach, was man hat.

Inzwischen suchen sich die meisten Heiratswilligen das Kirchengebäude frei aus. Da geht es nicht um Wohnort oder Gemeindezugehörigkeit, sondern um ästhetische Aspekte. Eine schöne kleine Kapelle oder eine lichtdurchflutete gotische Kirche nahe der Location. Selbstverständlich so dekoriert, wie es den Wünschen des Paares entspricht. Dann kann fast nichts mehr schiefgehen.
Die einzige Befürchtung besteht darin, «dass es einschläfernd wird». Dabei geht es meist weniger um die kirchlichen Elemente der Trauung, wobei inzwischen immer mehr Heiratswillige äussern, dass sie es als total nervig empfinden, wenn Pfarrer auf Gemeindegesang bestehen, wo die Lieder doch kein Schwein mehr kennt. Die grösste Angst stellt das Auftreten des Zeremonienleiters dar. Es wird befürchtet, dass der Geistliche eine monotone Ansprache hält, die nichts vom Wesen des Paares widerspiegelt und daher niemanden interessiert. Durch den vor allem in evangelischen Gottesdiensten typischen grossen Redeanteil des Pfarrers entsteht der Eindruck eines nicht enden wollenden Prozederes. Und am Ende ist jeder froh, wenn er die Kirche wieder verlassen darf. So meint ein Paar: «Uns hat die Trauung oder die Zeremonie in der Kirche ein bisschen, ich sag jetzt mal, abgeschreckt und die ist auch so ewig lange.»
Doch selbstverständlich gilt hier: 1. sind nicht alle Pfarrer Schlaftabletten, die stundenlang salbungsvolle Reden schwingen und 2. dürft ihr zu eurer Trauung auch gerne einen «eigenen» Pfarrer, den ihr beispielsweise aus eurer Jugend kennt, mitbringen.

Auch sind weiterhin zahlreiche Paare von der kirchlichen Trauung überzeugt. Denn neben den ästhetischen Aspekten treten noch die Motive der Tradition und der religiösen Vergewisserung.

Religiöse Elemente der Trauung
Immer wieder höre ich von Paaren: Bei kirchlichen Trauungen ginge es «zu fest oder ja zu viel um die Religion oder um die Kirche. Und für mich geht es bei der Hochzeit um das Paar, um die Liebe und um den gemeinsamen Lebensweg und nicht jetzt um Gott und die Religion.»
Ich kann es voll und ganz verstehen, dass sich Brautpaare, die mit Religion nichts anfangen können, gegen eine kirchliche Hochzeit entscheiden. Und ich gebe ihnen recht, im Rahmen einer Trauung sollte es nicht um die Kirche gehen. Das Paar steht im Mittelpunkt seines Festes. Das ist selbstverständlich. Ich bin allerdings überzeugt, dass der Glaube mehr sein kann als ein Stück Tradition, das man bei der Trauung eben mitnimmt. Nach dem Motto: Es kann zumindest nicht schaden. Eine Braut äusserte im Interview: «Also, auch wenn wir jetzt keine grossen Kirchgänger sind, ist der Glaube jetzt doch ein stückweit ein Teil von uns und deswegen wollten wir auch diesen kirchlichen bzw. Gottes Segen für die Ehe haben.»
Der Glaube ist eine Weltdeutung. Wer davon ausgeht, dass Glück und Zufriedenheit vom Menschen nicht ausschliesslich selbst produziert werden können, sondern zumindest in gewissem Masse unverfügbar bleiben, wird religiöse Elemente wie den Segen als Ermutigung erfahren. Der Segen soll die Ehe beflügeln. «Also hm zum einen schon auch eben die Ehe unter diesen Schutz sozusagen, also diesen mentalen Schutz sag ich jetzt mal, zu stellen.»
Ferner besteht die Aufgabe des Geistlichen darin, die Alltagsrelevanz des Glaubens zu verdeutlichen. Das gelingt, indem er sich auf das Paar und seine Lebenswelt einlässt. Eine Braut hält rückblickend fest: «Ausserdem waren unsere Fürbitten voll schön. Guck mal, wir hatten eine Fürbitte über die Bienen.» Oft geht es den Menschen nicht um hochtrabende Dinge, wie den unerreichbaren Weltfrieden oder das ewige Seelenheil, sondern schlicht und ergreifend, um das tägliche Brot bzw. den täglichen Honig und seine putzigen Erzeuger.

Bei uns wird alles anders – wir heiraten frei!
Andere Paare empfinden eine kirchliche Trauung als zu steif, «wie eine normale Messe, wie ein Gottesdienst und für mich war das zu wenig halt wie eine Hochzeit, wie eine Trauung. Für mich ging es zu wenig um das Brautpaar und um die Hochzeit» und entscheiden sich daher für eine freie Trauung, bei der alles anders werden soll.

Die Erwartung ist dabei ganz eindeutig: Es soll um das individuelle Paare, mit seiner Sicht auf die Welt, mit seiner Beziehung und seiner unverwechselbaren Liebe gehen. So fasst eine Verheiratete zusammen: «Ich finde es wichtig, dass es persönlich ist, weil, dass es nicht zu oberflächlich ist, sondern halt das widerspiegelt, was das Brautpaar ist und wie es dazu gekommen ist.» Die einzigartige Geschichte des Paares in eine hinreissende Ansprache zu giessen und mit einem massgeschneiderten Ritual zu verknüpfen ist nun die Aufgabe des Trauredners.
Eine weitere Braut stellt nüchtern fest: Es geht um «unsere Liebesgeschichte, wie sich das alles entwickelt hat und da hat nicht irgendein Glaube darin Platz, finde ich.» Eine weitere Heiratswillige ergänzt: «In der kirchlichen Trauung geht es um das Paar vor Gott und die Trauung vor Gott und in der freien Trauung kann es tatsächlich komplett nur um uns gehen.» Die freie Trauung wird als Feier des Lebens, der Liebe verstanden. Da geht es nicht um Gott oder irgendeine höhere Macht, sondern um die Eheleute mit ihrer Geschichte und ihrer Verbundenheit. Um die Individualität zu unterstreichen, wird gelegentlich auf alternative Rituale gesetzt: «Also unsere Traurednerin hat einen Topf vorbereitet, also einen Blumentopf mit Blumenerde und Sonnenblumenkerne und dann haben wir die gemeinsam einpflanzen können. So quasi, dass die Liebe wachsen soll quasi. Und zwei oder drei Monate später haben wir auf dem Balkon schöne Sonnenblumen gehabt.» Teilweise ersetzen diese Rituale den klassischen Ringtausch, teilweise fungieren sie als Ergänzung. Auf jeden Fall sollen sie eine persönliche Note in die Zeremonie bringen, die das Brautpaar im Rahmen einer traditionellen kirchlichen Trauung vermissen würde.
Auch bemängeln einige Paare, dass kirchliche Trauung oft in einer Kirche stattfinden müssen, was sie einschränke: «Und was vielleicht auch noch ein bisschen reingespielt hat, ist, dass wir eine spezielle Location ähm schon vorgängig im Auge hatten und das spricht eher für eine freie Trauung, dass wir an dieser Location etwas machen können, als kirchlich.» U.a. dürfen in vielen Kirchen keine Tiere mitgeführt werden, was für einige Brautpaare sehr wichtig wäre und die Tendenz in Richtung freie Zeremonie lenkt: «Und man halt wirklich dann auf das eingehen kann plus natürlich das mit den Hunden. Also, dass wir die Hunde einbinden werden, haben wir schon fix gesagt. Wir haben auch schon gesagt, dass wir ganz sicher die Hunde mit den Ringen einbinden werden.» Gegen das Einbringen der Hunde hatte sich der Pfarrer, mit dem das Paar Kontakt hatte, klar ausgesprochen. Im Kirchengebäude sei dies – aus verständlichen Gründen – leider nicht möglich.

Kurzum: Freie Trauung erscheinen ungezwungener und offener. «Hier bin ich Mensch, hier darf ich`s sein», so empfinden sicher viele Paare.

Und wenn wir beides wollen?
Und was ist mit Paaren, die gerne eine Mischung möchten: Klassische Elemente und zugleich unbegrenzte Freiheit?
Zunächst die frohe Botschaft für alle, die trotz eventueller Bedenken kirchlich heiraten möchten: Inzwischen besteht bei vielen Pfarrern eine gewisse Offenheit gegenüber Neuerungen im Bereich Kasualien (Taufe, Konfirmation, Trauung, Beerdigung). Sucht das Gespräch mit eurem Ortspfarrer oder einem Pfarrer, den ihr kennt, um auszuloten, was möglich ist. Nicht jeder Pfarrer besteht auf Gemeindegesang und es müssen auch keine 20 Gebete im Traugottesdienst vorkommen.

Solltet ihr eine freie Trauung mit christlichen Elementen wünschen, wendet euch an den freien Theologen eures Vertrauens (kleiner Hinweis: Das bin ich!). Denn selbstverständlich kann eine freie Trauung auch christlich geprägt sein. Der grosse Vorteil dabei: Ihr entscheidet, welche Rituale, Gebete und Formeln in eurer individuellen Trauzeremonie Platz haben und welche rausfliegen. Eure Trauung wird genauso ablaufen, wie ihr es euch vorgestellt habt.
So überlasse ich das letzte Wort einem Paar, das ich kirchlich getraut habe: «Kirche war schön. Kirche war genauso, wie ich es mir vorgestellt habe. Vom Rahmen her. Es war festlich, aber es war nicht übermässig steif. Dieses persönliche war uns halt total wichtig. Und ich find, die ganze Kirche, auch wenn es natürlich die Kirche war und es ja immer diesen gewissen Rahmen gibt, hat es alles sehr gut zu uns gepasst, so wie wir uns das vorgestellt haben.»

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