Wie konntest du nur? Warum ich Pfarrer bin.

Wie konntest du nur? Warum ich Pfarrer bin.

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Immer wieder fragen mich Menschen: «Wie bist du eigentlich ins Pfarramt gekommen? Du bist doch so normal.»
Ganz ehrlich? Geplant war das am Anfang nicht. Da ich mich für religiös-philosophische Fragen interessiert habe, bin ich zur Uni gegangen und habe mich für Evangelische Theologie eingeschrieben. Und da man zum Sommersemester nicht noch mit Germanistik oder so anfangen konnte, habe ich eben Theologie auf Pfarramt studiert.
Das Studium hat mir dann so grossen Spass gemacht, dass ich kein zweites Fach mehr dazu genommen habe.


Ja, und dann war das Studium irgendwann zu Ende und da ist mir aufgefallen: «Hey, mit dem Abschluss musst du jetzt ja das Vikariat (Vorbereitung auf das Pfarramt) absolvieren.»
Die Vikariatszeit habe ich sehr genossen. Besonders die Zeit an der Berufsschule habe ich immer noch in guter Erinnerung: Der Umgang mit jungen Menschen bereitet mir grosse Freude. Ausserdem konnte ich an der Schule so sein, wie ich bin: Kreativ, offen, humorvoll und manchmal auch etwas chaotisch.
Doch auch in die übrigen pfarramtlichen Aufgaben habe ich mich langsam aber sicher hineingefuchst.
Eine besondere Begabung und Leidenschaft habe ich im Bereich Kasualien entdeckt. Kasualien sind die kirchlichen Zeremonien an Lebensübergängen, also Taufe, Konfirmation, Trauung und Beerdigung.
Besonders im Bereich Taufe, Konfirmation und Hochzeit kommt meine lockere und humorvolle Art zum Tragen. Bei Beerdigungen bin ich natürlich etwas seriöser.
Besonders spannend finde ich bei Kasualien das Kennenlernen. Es freut mich einfach, mit Menschen in Kontakt zu kommen, ihnen zuzuhören und dem nachzuspüren, was ihnen im eigenen Leben wichtig ist, ihnen Halt bietet. All das, was ich erfahre, bringe ich dann in einer Rede in eine passende Form. Bisher scheine ich dabei immer den richtigen Ton getroffen zu haben. Und zu guter Letzt bleibt das wunderbare Gefühl, Menschen während einer wichtigen und bewegenden Zeit ihres Lebens zur Seite gestanden zu haben.

Nachdem das Vikariat dann irgendwann erfolgreich beendet worden war, folgte logischerweise der nächste Schritt: Ab ins Pfarramt. Da ich mich in meiner Landeskirche nicht sehr wohlfühlte, erfolgte der Umzug in die Schweiz.

Im Grossen und Ganzen bin ich mit meiner Arbeit als Gemeindepfarrer recht zufrieden. Doch immer wieder fiel mir auf, dass ich etwas mehr Action vertragen könnte. So erfolgte der nächste Schritt: Raus aus dem Vollzeitpfarramt, rein in eine Teilzeitstelle. Derzeit arbeite ich zu 70% als Pfarrer und folge meiner grossen Leidenschaft, dem Gestalten freier Zeremonien. In dieser Aufgabe blühe ich richtig auf. Denn hier ist meine Kreativität und mein voller Einsatz für fröhliche Paare, frischgebackene Eltern und Trauernde gefragt.

Doch selbstverständlich liegt mir auch meine Gemeinde am Herzen. Dabei habe ich mich im Laufe meiner Dienstjahre – immerhin bin ich schon seit 2015 Pfarrer tätig – weiterentwickelt. Bei mir steht der Mensch im Mittelpunkt. Daher ist mir im Rahmen meines Pfarramtes das Gespräch besonders wichtig. Ich glaube, dass in der heutigen Zeit immer weniger Menschen richtig zuhören. Deshalb freue ich mich, wenn Gemeindeglieder zu mir kommen, mir von ihrem Leben erzählen und ich einfach zuhören kann. Und das – so zumindest mein Eindruck – tut Menschen richtig gut. Wenn sie zu mir kommen, wissen sie, da hört mir jemand zu und gibt keine klugen Ratschläge. Bei Daniel kann ich sein, wie ich bin, der akzeptiert mich und interessiert sich für mich.

Um mich im Bereich Gesprächsführung und Seelsorge weiterzuentwickeln, habe ich auch einige Weiterbildungen – Systemische Seelsorge, Seelsorge in Palliative Care usw. – absolviert. Ausserdem hat sich mir durch Vertretungen in Alten- und Pflegeheimen (z.B. von Juni 2019 bis Juni 2020) glücklicherweise die Möglichkeit geboten, die graue Theorie in die Praxis umzusetzen.

Der zweite Bereich meiner Tätigkeit, die mich total erfüllt, ist der pädagogische Bereich: Religionsunterricht und Konfirmandenarbeit. Diese Arbeit empfinde ich als erfrischend und bereichernd. Der Umgang mit jungen Menschen hält mich selbst jung. Ausserdem ist es spannend in die Welt der nachfolgenden Generation einzutauchen.
Zum Glück hat sich für mich durch Vertretungen an Gymnasien immer wieder die Möglichkeit ergeben, dieser spannenden Aufgabe nachzukommen.
Genauso spannend ist der Konfirmandenunterricht. Hier muss ich selbst kreativ sein, um Jugendliche dazu zu motivieren, ihr Potenzial auszuschöpfen.
Besonders in diesem Bereich ist es wichtig, nicht irgendwelche dogmatischen Sätze daher zu labern, sondern zu zeigen, dass Glaube und Alltag etwas miteinander zu tun haben. Das empfinde ich als herausfordernd. Denn hier zeigt sich: 1. ob mein eigener Glaube alltagsrelevant ist und 2. ob ich dazu in der Lage bin, jungen Menschen etwas von der christlichen Botschaft so zu verkaufen, dass sie sich damit auseinandersetzen. Dabei geht es mir nicht darum, andere von meinem Glauben zu überzeugen, sondern sie dazu anzuregen sich über das eigene Leben Gedanken zu machen und sich so weiterzuentwickeln. Ich hoffe, das gelingt mir heute und auch noch morgen.

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