Von Pfarrern und freien Rednern – Fragen zu meiner Person

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Wie bist du eigentlich freier Redner geworden?
Nachdem ich 2007 in Ludwigshafen am Rhein das Abitur abgelegt hatte, musste es ja irgendwie weitergehen. Da ich mich für religiös-philosophische Fragen interessierte, entschied ich mich dazu, in Heidelberg evangelische Theologie zu studieren.

Nach dem Abschluss des Studiums und des Vikariats (Vorbereitungsdienst), wagte ich den Schritt ins Gemeindepfarramt. Relativ schnell wurde mir klar, dass ich gerne für Menschen in den verschiedensten Lebenssituationen da bin. Besonders die seelsorgerliche Begleitung sowie Gestaltung von Zeremonien bereitet mir grosse Freude.

Im Sommer 2017 meinte eine Organistin nach einer kirchlichen Trauung: «Hey, Daniel, du machst das so toll. Du brauchst eine Homepage!» Und ich dachte mir: «Ja, eigentlich hat sie recht. Warum nicht die Leidenschaft zum Beruf machen?»
Nachdem mein Schwager mir eine Homepage eingerichtet hatte, konnte ich auch schon loslegen. Die ersten Trauungen liessen nicht lange auf sich warten.

Inzwischen habe ich meinen Pfarrberuf auf 70% reduziert und freue mich, immer mehr einzigartige Menschen kennenlernen zu dürfen und mit jeder freien Zeremonie neue Erfahrungen zu sammeln. Langweilig wird mir dabei nie: Denn jedes Paar ist anders und jede Feier wird auf einzigartige Art begangen.

Kann man dich nur für religiösen Zeremonien buchen?
Als Pfarrer bin ich natürlich «Experte» für christliche Trauungen. Ich gestalte jedoch auch sehr gerne Trauungen, Willkommensfeiern und Beerdigungen ohne religiösen Bezug.
Ich freue mich, für andere da zu sein. Der Mensch steht bei mir im Mittelpunkt. Ich bin offen für die Wünsche und Bedürfnisse meines Gegenübers. So individuell wie die Menschen sind, so individuell soll auch ihre Feier sein.

Ist das denn mit deinem Pfarramt vereinbar?
Meine Hauptaufgabe als Pfarrer besteht darin, andere Menschen so anzunehmen, wie sie sind. Auch in einer Religionsgemeinschaft kann ich nicht davon ausgehen, dass jeder genau dasselbe glaubt, was ich glaube.
Auch bei kirchlichen Trauungen, Taufen und Beerdigungen, ist es mir wichtig, die Menschen in ihrer Einzigartigkeit ernst zu nehmen. 0-8-15-Feiern gibt es bei mir nicht. Jede, Taufe, jeder Abschied, jedes Fest anlässlich eines Übergangs ist bei mir immer auf die Wünsche der Menschen abgestimmt.

Eine Konkurrenz zur kirchlichen Tätigkeit erkenne ich in meiner freiberuflichen Arbeit nicht. Denn diejenigen, die mich als freien Redner buchen, suchen explizit einen Dienstleister ausserhalb der Kirche.

Was schätzt du am meisten an deinem Beruf?
Ich lernen unheimlich gerne andere Menschen kennen. Ich bin immer wieder erstaunt, wie offen und ehrlich Menschen mit mir in Trau- und Trauergesprächen sprechen.
Gerade in Trauergesprächen tut es den Hinterbliebenen gut, jemanden zu haben, der ihnen einfach zuhört, keinen Ratschlag erteilt, sondern einfach da ist.

Auch bei Trauungen freue ich mich besonders auf die Gespräche. Es ist immer wieder spannend zu erfahren, welche Sicht die Paare auf das Leben haben. Ich finde es wunderbar, zu hören, was andere erlebt haben, was die Partner aneinander schätzen. Gerne tauche ich in die Welt der Paare ein, höre zu, frage nach, verstehe und erarbeite auf dieser Grundlage gemeinsam mit dem Paar eine individuelle Zeremonie.

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