Das Leben – Eine spirituelle Reise

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Es liegt in der Natur von uns Menschen, dass wir Sinn im Leben suchen. Gerade Übergänge des Lebens, Brüche, Krisen, aber ebenso Glücksmomente und einzigartige Begebenheiten wollen mit Sinn versehen werden. Alles, was passiert, wollen wir in unser Leben einordnen, ihm Qualität oder zumindest pädagogische Relevanz zusprechen. Vieles von dem, was uns zustösst, überschreitet jedoch unser kognitives Verstehen: Warum verlieben wir uns? Und dann genau in diese Person? Wie gehen wir mit der Unverfügbarkeit des Lebens (auch unserer Kinder) um? Warum musste ein geliebter Mensch so früh von uns gehen? 

Es ist mir eine grosse Freude als freier Redner Menschen an bedeutungsvollen Stellen auf ihrer spirituellen Reise durch ihr Leben begleiten zu dürfen. Durch Gespräche, Rituale und Ansprachen möchte ich Deutungsmöglichkeiten des Lebens eröffnen, die dabei Helfen über die Schwelle der Eheschliessung in einen neuen Lebensabschnitt zu starten, neues Leben zu begrüssen, sich immer wieder für ein eigenverantwortetes Leben zu entscheiden und einen angemessenen Umgang mit dem Tod zu finden. Dabei schöpfe ich aus den reichen Erfahrungsschätzen des christlichen Glaubens, der abendländischen Philosophie und humanistischen Psychologie.

Die Taufe/ Segnung (Vorsicht: christliche Theologie)

Vor rund 2000 Jahren hat Jesus von Nazareth den Menschen eine wunderbare Botschaft vermittelt: Jeder einzelne Mensch ist Gott wichtig. Jeder Mensch ist einzigartig und wundervoll und von Gott gewollt. So verspricht Gott uns, uns auf unserem Lebensweg zu begleiten. Die Taufe ist das sichtbare Symbol der Annahme des Menschen durch Gott. Gott sagt dem Täufling zu, sich im Leben zu ihm zu stellen, ihn so anzunehmen, wie er ist. Egal, was der Mensch aus seinem Leben macht, egal ob er nach der Beurteilung anderer scheitert, ob er ein beliebter und erfolgreicher Politiker, Arzt oder Oberstaatsanwalt wird, in Gottes Augen ist er einzigartig und deshalb wertvoll. Wer sein Leben auf diese Art deutet, weiss sich befreit von dem Zwang, Dinge zu erreichen, die ausserhalb seiner Möglichkeiten liegen. Er weiss: Ich bin ein einzigartiger, ein wertvoller Mensch und ich bin unverzichtbar auf dieser Erde.

Die Trauung

Die meisten Paare heiraten heute, nachdem sie bereits eine lange gemeinsame Geschichte verbindet. Die gemeinsam erlebte Zeit macht sie gewiss: Ich habe einen verlässlichen Partner gefunden, einen Menschen mit dem ich mein Leben auch weiterhin teilen möchte. Zugleich erblickt das Paar im Eheschluss ein Zeichen des Vertrauens. Denn was letzten Ende noch alles auf sie zukommt, wie sich ihre gemeinsame Ehe entwickelt und vor welche Aufgaben das Leben sie noch stellen wird, liegt nicht allein in ihren Händen. Leben und Liebe sind fragile Gebilde. Eine Zeremonie mit spirituellen Elementen eröffnet dabei eine Perspektive auf das Leben, die sich nicht allein auf das Sichtbare und Vorfindliche abzielt, sondern ebenso mit dem Unerwartbaren, Nichtmachbaren rechnet und den Blick auf das Unverfügbare, was unser menschliches Handeln übersteigt, richtet. Die meisten Paare haben sich nicht gezielt gesucht und gefunden. Der Beginn einer Beziehung ist immer etwas Mystisches, nicht Rekonstruierbares. Die Paarwerdung ist keine rein rationale Entscheidung: «Wir lieben uns jetzt für immer und ewig!», sondern ein Geheimnis und eine stets neue Entscheidung für den Partner. So ist das Ja-Wort das Versprechen, sich jeden Tag aufs Neue zu diesem Mysterium zu bekennen, jeden Tag aufs neue Ja zum Leben und zum Partner zu sagen.

Der Tod/ Die Beerdigung

Niemand kann mit Gewissheit sagen, was uns Menschen nach dem Tod erwartet. Geht die Reise an einem ganz anderem Ort – in der christlichen Sprache „dem Himmel“ – weiter? Oder bleibt von uns nur die Erinnerung, die unsere Verwandten und Freunde begleitet, wie es in einem jüdischen Gebet über die Verstorbenen heisst: „Solange wir leben, werden sie auch leben, denn sie sind nun ein Teil von uns, wenn wir uns an sie erinnern.“
Ob wir an ein Leben nach dem Tod glauben und was wir uns von einem solchen erwarten, hängt vermutlich stark mit dem zusammen, wie wir selbst unser Leben erfahren und deuten. Ich persönlich glaube daran, dass jeder Mensch aus gutem Grund auf dieser Erde ist. Jeder Mensch ist gewollt und von Gott bejaht. Mich trägt die Überzeugung, dass der Gott, der uns zu dieser Wanderschaft eingeladen hat und uns in allen hoffnungs- wie sorgenvollen Stunden unseres Lebens beisteht, uns auch über die Schwelle des Todes hinaus begleitet. Unsere Reise geht weiter, wo auch immer…

Und auch auf dieser Welt bleiben die Verstorbenen präsent, in der Erinnerung setzt sich auch hier ihre Wanderschft fort. Denn das, was wir auf dieser Erde getan haben, wirkt über unsere irdische Existenz hinaus und zeigt: Es geht letzten Endes nicht darum, was wir in unserem Leben erreichen, sondern darum, dass wir das Leben unserer Mitmenschen bereichern: „N.N. hat sein Leben genossen. Er hat Freude gehabt, diese Freude hat er mit anderen Menschen geteilt und so dazu beigetragen, dass auch das Leben der anderen etwas lebenswerter wird. N.N. hat im Hier und Jetzt gelebt und sein Leben genossen, beim Skifahren, beim Entdecken fremder Länder und auch beim Golfen…“ (säkulare Traueransprache Daniel Kiefer).
Indem wir unser Leben nicht auf das eigene Wohlergehen, den eigenen Vorteil ausrichten, zeigen wir, dass das Leben mehr ist. Das Leben weist über sich hinaus: Auf die Liebe? Das Humane? Oder auf Gott?

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