Andacht zur Coronakrise

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Unsere Pläne und das Leben

«Pläneschmieder wollen ihre kleinen Welten unter Kontrolle halten», sagt der Joker aus meinem Lieblingsfilm «The Dark Knight», als er dabei ist Gotham City ins Chaos zu stürzen. Der Joker liebt das Unvorhersehbare, da nur der Zustand des Unvorhersehbaren fair sei. Die Menschheit kranke daran, alles planen zu wollen. Sobald etwas nicht nach Plan laufe, würden alle durchdrehen, den Verstand verlieren.

So ganz unrecht hat der Joker damit nicht. Ich selbst bin niemand, der sein Leben von Anfang bis Ende durchgeplant hat. So nach dem Motto: «In fünf Jahren bin ich Kirchenratspräsident und in 10 Jahren…» Im Großen und Ganzen lasse ich das Leben auf mich zukommen. Doch im Kleinen plane ich selbstverständlich: «Morgen stehe ich um 7 Uhr auf, Kinder fertig machen, frühstücken, 9 Uhr die erste Sitzung…» Und wie oft habe ich Angst, dass die Planung nicht aufgeht: «Schon 8 Uhr. Ich muss los. Ich bin sowieso schon zu spät…» Und wie sehr ärgert es mich, wenn etwas nicht nach Plan läuft, wenn die PowerPoint-Präsentation aufgrund technischer Probleme nicht wie geplant ablaufen kann, wenn mich ein Stau aufhält und ich meinen Terminplan ändern muss. Auch mir liegt viel daran meine kleine Welt unter Kontrolle zu halten. Denn Kontrolle vermittelt Sicherheit. Wie gut ist es doch zu wissen, wo man als nächstes hingeht, was man heute und die nächsten Tage noch tun wird. Ich zumindest empfinde es als angenehm, mein Leben unter Kontrolle zu haben, der Herr meines Lebens zu sein.

Doch nun ist die ganze Welt ausser Kontrolle geraten. Das Coronavirus hat uns allen, den Privatpersonen, den Konzernen, den Regierungen, der ganzen Welt einen Strich durch die Rechnung gemacht. Alles, was geplant war, muss nun losgelassen werden. Das tut weh, verunsichert und macht Angst. Wann kehren wir endlich zum Normalzustand zurück? Wann läuft wieder alles nach Plan? Wann können wir uns endlich wieder in Sicherheit wiegen? Wann sind wir uns wieder gewiss: Wir haben die Welt im Griff.

Aufgrund der aktuellen Situation frage ich mich: Muss im Leben denn alles nach Plan laufen? Sind unsere Sorgen denn gerechtfertigt? Jesus spricht seinen Jüngern zu: «Darum sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie?» (Mt 6,25f.).

Jesus stellt ganz nüchtern fest: Das Leben ist nicht bis ins letzte Detail planbar. Und die Natur weiss das. Die Vögel leben vor sich hin und finden Nahrung. Nur der Mensch schmiedet Pläne. Er meint sein Leben, die gesamte Welt unter Kontrolle haben zu müssen. Doch der Schein trügt. In Wirklichkeit kann bereits ein klitzekleines Virus all unsere Pläne über den Haufen werfen. Nichts auf dieser Welt ist wirklich sicher. Pläne sind nicht für die Ewigkeit gemacht. Das Leben ist fragil, nicht vorhersehbar. Doch der Zustand der Nichtplanbarkeit muss uns keine Angst machen. Denn Gott ist bei uns. Gott begleitet uns durch unser Leben. Er versorgt uns mit allem, was nötig ist. Es ist nicht nötig, alles vorhersehen zu wollen, unser Leben und die ganze Welt durchzuplanen, denn Gott ist allezeit an unserer Seite ist. Wir müssen uns nicht sorgen. Denn für die Vögel gilt: «Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch.» Wenn Gott schon die Vögel versorgt, sollte er nicht dasselbe auch für uns tun? Jesus fragt: «Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie?» Ja, sind wir für Gott nicht wichtig und einzigartig? Er hat uns versprochen, uns durch unser Leben zu begleiten mit allen Höhen und Tiefen. Er ist für uns da. Jedem Einzelnen von uns gilt seine Zusage: «Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!» (Jes 43,1). Das Entscheidende ist, dass Gott für uns da ist. Er ist bei uns, auch wenn beziehungsweise gerade, weil unser Leben nicht planbar ist. Gott ist in allen Krisen unseres Lebens bei uns, auch in der aktuellen.

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