Die Traufe – Vorschlag für einen Ablauf

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Ihr habt das Glück, zwei wunderbare Ereignisse – die Geburt Eures Kindes sowie das Fest Eurer Liebe – in einer Zeremonie feiern zu dürfen, seid euch aber unsicher, wie diese beiden einzigartigen Anlässe sinnvoll verbunden werden können? Dann wünsche ich euch viel Freude beim Lesen meines Beitrags.

Der Ablauf, den ich euch vorstelle, orientiert sich an einer evangelisch-kirchlichen Traufe. Hier finden sich viele Elemente, die ihr in Eure Zeremonie integrieren könnt. Bedient euch, wie es euch richtig erscheint, nehmt mit, was euch gefällt und lasst liegen, was nicht zu euch passt. Selbstverständlich könnt ihr jederzeit unverbindlich Kontakt mit mir aufnehmen und euch beraten lassen.

1. Musikstück mit Einzug der des Brautpaares mit Täufling

Eine christliche Trau- und Taufzeremonie beginnt in aller Regel ganz klassisch: Das Brautpaar zieht mit seinem Baby zu einem Musikstück in die Kirche ein.
Eigentlich läuft der Pfarrer/ freie Theologe dabei voraus. Seitdem mich einmal ein Fotograf vehement darum gebeten hat, das Brautpaar doch vorne in Empfang zu nehmen, da ich beim Einzug nur stören würde, traue ich mich jedoch fast nicht mehr, diesen Brauch in die Tat umzusetzen…

2. Begrüssung mit Votum

Nachdem die Feiernden Platz genommen hat, begrüsst der Theologe die Festgemeinde. Die klassische Begrüssung (Votum) lautet: «Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.»

3. Lied (optional)

An dieser Stelle kann nun ein Lied oder eine musikalische Einlage erfolgen.
Bei kirchlichen Traufen besteht der Pfarrer oft auf Gemeindegesang. Ich persönlich finde es schön, wenn die Gemeinde durch Gesang in die Trauung miteinbezogen wird. (Theologisch gesprochen, die Möglichkeit erhält, ihren christlichen Glauben im Gesang zu bezeugen). Allerdings empfinde ich Gemeindegesang nur als sinnvoll, wenn die Lieder einem Grossteil der Anwesenden bekannt sind und eine aktive Beteiligung zu erwarten ist. Ansonsten empfehle ich, auf die Sangeskünste eines Sängers bzw. einer Sängerin zurückzugreifen. Die vorgetragenen Stücke müssen nicht zwingend einen christlichen Inhalt haben, sondern sollten zu euch passen.

Über die Anzahl der Lieder/ der musikalischen Beiträge könnt ihr frei entscheiden. Ich empfehle an folgenden Stellen Musik einzubringen:  Einzug, nach der Trauansprache, Auszug.

4. Psalm und Eingangsgebet

Das gemeinsame Beten eines Psalms – bei der Auswahl unterstützt euch der Theologe eures Vertrauens gerne – ist eine schöne Möglichkeit, einen Freund in die Zeremonie zu integrieren. 

Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder liest die Person eurer Wahl den Psalm vor oder ihr druckt den Psalm in einem Ablauf ab, dann übernimmt der «Vorbeter» einen Teil und dies Festgemeinde den anderen Teil.

Beispiel:

Vorbeter: Dies ist der Tag, den der Herr macht;

Alle: lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein

Vorbeter: O Herr, hilf!

Alle: O Herr, lass wohlgelingen!

Vorbeter: Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!

Alle: Wir segnen euch, die ihr vom Hause des Herrn seid.

Vorbeter: Du bist mein Gott, und ich danke dir;

Alle: mein Gott, ich will dich preisen.

Vorbeter: Danket dem Herrn, denn er ist freundlich,

Alle: und seine Güte währet ewiglich. (aus Psalm 118)

Der Psalm mündet dann in ein Gebet, das entweder der Theologe oder jemand aus eurem Freundeskreis übernimmt.

5. Tauflied

Bei der Liedauswahl unterstützt euch Euer Pfarrer bzw. Theologe gerne.
Ein paar Vorschläge: Er hält die ganze Welt (He`s got the whole world), Du bist du (Der Cloue), This little light of mine

6. Taufansprache

Die Reformatoren (Martin Luther, Ulrich Zwingli, Johannes Calvin u.a.) haben die Predigt in das Zentrum des Gottesdienstes – und darum handelt es sich bei der Traufe: einen Gottesdienst anlässlich einer Eheschliessung sowie der Taufe eines Kindes – gerückt. 

Die christliche Tauf- und Trauansprache zeichnet sich – ich kann hier natürlich nur für mich sprechen – durch die Verknüpfung eurer persönlichen Lebenserfahrung sowie eurer Hoffnung auf ein gelingendes Familienleben mit der christlichen Botschaft aus. Die Erfahrung der Aufnahme eines Babys in eure Familie wird in einen weiteren Horizont gestellt.

Ich verknüpfe eure Hoffnungen und Wünsche für Euer Kind bzw. Eure Familie, die wir im Taufgespräch erarbeitet haben, mit der christlichen Hoffnung auf Gottes Begleitung durch unser Leben. Gott wird Eurem Kind immer nahe sein, egal wohin es geht.

7. Einsetzungsworte 

Nach biblischer Überlieferung hat Jesus seine Jünger und damit auch uns beauftragt, Menschen auf den Namen des dreieinigen Gottes zu taufen. So wird nun vor der Taufe der «Tauf- und Missionsbefehl» verlesen:

«Jesus Christus spricht: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker. Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende» (Matthäus 28,19ff.).

8. Tauffrage an Eltern, Paten und Gemeinde

Nun werden die Eltern und Paten, deren Aufgabe es ist, die Eltern bei der christlichen Erziehung des Täuflings zu unterstützen, sowie die anwesende Gemeinde gefragt, ob sie bereit sind, das Kind im christlichen Glauben zu erziehen, ihm in Glaubensfragen Rede und Antwort zu stehen und ihm die christlichen Tugenden (Glaube, Hoffnung und Liebe) vorzuleben.

9. Taufe

Nachdem Eltern, Paten und Gemeinde sich dazu bereit erklärt haben, erfolgt die eigentliche Taufhandlung. Der Kopf des Täuflings wird dreimal mit Wasser übergossen. Dabei sagt der Pfarrer/ Theologe: «Ich taufe dich auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.»

Durch diesen Akt wird der Täufling, insofern es sich um eine kirchliche Taufe handelt, in die Kirche aufgenommen.

10. Gebet und Segenswünsche

Fürbitten kennt ihr ja von eurem sonntäglichen Kirchgang.
Auch hier bietet sich eine wunderbare Möglichkeit, Freunde und Verwandte in die Zeremonie zu integrieren.

Bei der Gestaltung der Fürbitten steht euch euer Theologe gerne mit Rat und Tat zur Hilfe.

Die Fürbitten/ guten Wünsche für den Täufling sollten persönlich formuliert sein. Entscheidend ist, dass ihr mit dem Herzen sprecht. Sagt, was ihr dem Täufling mitgeben möchtet, nicht das, was ihr denkt, dass es der Pfarrer oder sonst jemand erwartet.

11. Entzünden der Taufkerze

Ich verbinde das Entzünden der Taufkerze mit Johannes 8,12: «Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.» Die Kerze ist ein Symbol, dass Gottes Licht den Täufling auf allen Wegen begleiten wird.
Ferner ist es eine schöne Tradition, die Taufkerze jeweils am Tauftag zu entzünden und dem älter werdenden Kind zu erklären, warum es getauft wurde und was den Eltern die Taufe bedeutet.

12. Segnung der Eltern und Paten

Der Pfarrer/ Theologe bittet um Gottes Segen für Eltern und Paten. Sie sollen sich in Beziehung und Erziehung von Gott begleitet erfahren. Gott ist bei ihnen, in allem, was sie tun. Es wird beispielsweise Weisheit für die Erziehung und Bereitschaft zur gegenseitigen Annahme und Unterstützung erbeten.

13. Lied (optional)

12. Einleitende Worte zur Trauung

Nun leitet der Pfarrer/ Theologe zum nächsten Höhepunkt des Gottesdienstes über. Dazu bietet sich z.B. ein kurzes Gedicht an.

14. Trauansprache zum Trauvers

Auch hier gilt es, eure persönlichen Lebens- und Liebesgeschichte mit der christlichen Botschaft zu verknüpfen. 

Bei mir sieht das meist so aus, dass nach einem persönlichen Teil eine Deutung der Liebe in Bezug auf die göttliche Liebe erfolgt. Als Theologe bin ich davon überzeugt, dass ihr in eurer Beziehung nicht nur auf euch angewiesen seid, sondern von Gott begleitet werdet. «Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm», heisst es in 1Joh 4,16. Und so spreche ich meinen Hochzeitspaaren stets zu, dass Gottes Liebe sie auch in ihrer Beziehung tragen wird. 

15. Trauung

a) Schriftworte zur Ehe

Eine weitere Möglichkeit Verwandte und Freunde an der Trauzeremonie teilhaben zu lassen bieten die «Schriftworte zur Ehe». 

Vor der Traufrage werden (max. 3) Bibelstellen verlesen, die etwas mit gelingender Beziehung, Liebe oder Ehe zu tun haben.
Beispiel:

Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf,  sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles. Die Liebe hört niemals auf. (1Kor 13,4-8)

b) Traufrage/ Trauversprechen

Zu einer Trauung gehört natürlich auch die Bestätigung des Paares, dass sie sich gegenseitig zu Mann und Frau nehmen möchten.

Die Traufrage wird im Rahmen einer christlichen Trauung in den Kontext des Glaubens eingebettet. 

Klassisch lautet die Frage:

«Nachdem wir das Wort der Heiligen Schrift gehört haben, frage ich euch vor Gott und seiner Gemeinde: X, willst du Y als deine Ehefrau aus Gottes Hand nehmen, sie lieben und ehren, Freude und Leid mit ihr teilen und ihr die Treue halten, bis der Tod euch scheidet, so antworte: Ja, mit Gottes Hilfe.»

Persönlicher ist der Vortrag eine selbstformulierten Trauversprechens. Dies erfordert an einem hochemotionalen Tag allerdings gute Nerven.

c) Kuss (optional)

Ich hatte noch kein Paar, das seine gegenseitige Zuneigung nicht durch einen Kuss bezeugen wollte…

d) Segnung

Das für viele Paare Entscheidende einer christlichen Trauung ist der Zuspruch des göttlichen Segens. Auch Paare, die auf sonstige christliche Elemente verzichten, wünschen sich die Zusage, in ihrer Beziehung nicht auf sich alleine gestellt zu sein. Das Gefühl, dass da noch jemand ist, der sie durch alle Höhen und Tiefen begleitet, ist für viele Paare ein entscheidendes Kriterium.

Ich spreche jedem meiner Paare in der Hoffnung, dass Gott sie auf ihrem Lebensweg begleitet, ihre Liebe wachsen lässt und immer wieder für sie spürbar wird, einen individuellen Segen zu.

e) Traukerze (optional)

Dieses Ritual stammt ursprünglich aus dem katholischen Bereich, wird jedoch immer beliebter.

Das Licht der Kerze soll das Brautpaar daran erinnern, dass sie die Fähigkeit haben, sich gegenseitig zum Leuchten bringen. Ferner ist es Zeichen des göttlichen Lichtes, das in ihrem Leben strahlt und welches sie nicht nur in ihrer Ehe leuchten lassen sollen.

16. Lied (optional)

17. Fürbitten

Fürbitten kennt ihr ja von eurem sonntäglichen Kirchgang.
Auch hier bietet sich eine wunderbare Möglichkeit, Freunde und Verwandte in die Zeremonie zu integrieren.

Bei der Gestaltung der Fürbitten steht euch euer Theologe gerne mit Rat und Tat zur Hilfe.

Die Adressaten der Fürbitten können frei gewählt werden. Klassische Beispiele wären: Das Brautpaar, alle Freunde und Verwandten, alle, die sich in einer Partnerschaft befinden…

18. Vaterunser

Das Gebet, das die Christenheit eint und euch aus Religions- oder Konfirmandenunterricht hoffentlich bekannt ist…

19. Lied (optional)

20. Segen

Zum Ende der Zeremonie bekommt die gesamte Festgemeinde den Segen Gottes zugesprochen.

21. Musik mit Auszug des Brautpaares

Nun geht es zum Sektempfang, zu Kaffee und Kuchen oder direkt zum Essen. Ende der christlichen Trauung, Beginn der christlichen Ehe. Ihr habt es geschafft, Glückwunsch!

Ich hoffe, ich konnte mit meinem Beitrag einiger Eurer Fragen klären bzw. Anregungen zur Gestaltung Eurer Traufe bieten.
Solltet ihr weitere Fragen zum Thema christliche oder kirchliche Trauung mit Taufe haben, nehmt Kontakt zu mir auf. Ich stehe euch gerne mit Rat und Tat zur Seite.

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