Der christliche Segen – Eine Kurzpredigt

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Als Trauredner mit theologischer Ausbildung – ich bin ordinierter Pfarrer – erhalte ich regelmässig Anfragen für freie Trauungen mit christlichen Elementen.

Im Gespräch mit den Hochzeitspaaren wird oft folgende Erwartung geäussert: Besonders wichtig ist es uns, den Segen Gottes mit auf unseren gemeinsamen Lebensweg zu bekommen. Alle übrigen Elemente eines christlichen Traugottesdienstes spielen für die Brautpaare kaum eine Rolle. Das zentrale Element einer christlichen Trauung ist für sie eindeutig der Segen.

Daher möchte ich heute der Frage nachgehen:

«Segen», was ist das überhaupt?

Seinen klassischen Ort hat der Segen am Ende des Gottesdienstes. Zumeist wird er der Gemeinde in Form des aaronitischen Segens zugesprochen: «Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden» (Num 6,24ff.).

Im Segnungsakt wird den Gesegneten die freundliche und gnädige Zuwendung Gottes zugesprochen. Der Segen gibt dem Vertrauen Ausdruck, dass Gott uns Menschen durch unser Leben begleitet, uns behütet und immer wieder sein Angesicht über uns leuchten lässt.

Genau dasselbe gilt auch, wenn ich Brautpaaren nach dem Ringtausch einen persönlichen Segen zuspreche. Ich gebe der Hoffnung Ausdruck, dass Gott das Paar auf seinem neuen Lebensabschnitt begleitet, für es da ist.

Eine wichtige Frage ist in diesem Zusammenhang, ob wir als Menschen den Mund nicht etwas zu voll nehmen, wenn wir einer anderen Person Gottes Schutz und Begleitung zusprechen. Garantiert der Segen etwa ein gelingendes Leben, in dem alles nach Plan läuft? Die Erfahrung lehrt uns doch, dass auch Ehen, die unter den Segen Gottes gestellt wurden, scheitern können. Auch gläubige Menschen erleiden Schicksalsschläge, müssen mit Brüchen in ihrer Biographie rechnen. Was also bewirkt der Segen?

Im 1. Buch Mose findet sich ab dem 25. Kapitel eine schöne Geschichte über einen Menschen, der trotz aller Schwierigkeiten ein gesegnetes Leben führt. Es ist die Geschichte Jakobs. Als zweitgeborener Zwillingssohn steht er in der Hierarchie seinem Bruder nach. Sein Bruder, Esau, wird der Haupterbe werden und soll dementsprechend von seinem alternden Vater den Segen zugesprochen bekommen. Dies weiss Jakob zu verhindern. Er wird seinem Namen – Jakob heisst der Betrüger – gerecht. Er erschleicht sich den Segen. Das findet sein Bruder nun gar nicht schick. Er sagt: «Es wird die Zeit bald kommen, dass man um meinen Vater Leid tragen muss; dann will ich meinen Bruder Jakob umbringen» (Gen 27,41).

Jakob flieht kurzerhand ausser Landes. Er ist ziemlich verzweifelt. Da erscheint ihm Gott und segnet ihn: «Und siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst, und will dich wieder herbringen in dies Land. Denn ich will dich nicht verlassen, bis ich alles tue, was ich dir zugesagt habe» (Gen 28,15).

Doch so ganz rund läuft es in Jakobs Leben trotz Gottes Segen nicht. Bei seinem Onkel findet er zwar eine Anstellung als Hirte und hält um die Hand der schönen Tochter an. Doch der böse Onkel dreht ihm durch eine List erst einmal die nicht ganz so hübsche ältere Tochter an. Kurzentschlossen heiratet Jakob die hübsche Tochter nach. Und weil er ein gewitzter Typ ist, zockt er seinen Onkel auch noch richtig ab, was dessen Söhne nicht ganz so locker nehmen. So flieht Jakob wieder einmal. Da ihn zusätzlich auch noch das Heimweh gepackt hat, macht er sich auf den Weg nach Hause.

Doch dann fällt Jakob siedend heiss ein: «Da war ja noch diese Meinungsverschiedenheit mit meinem Bruder». Und so schläft er in dieser Nacht nicht besonders gut. Mitten in der Nacht steht er auf, um den Fluss Jabbok zu überqueren. «Da rang einer mit ihm, bis die Morgenröte anbrach» (Gen 32,25). Bis zum Morgengrauen kämpft Jakob mit dem Unbekannten. Und als dieser aufgeben möchte, entgegnet Jakob: Ich lasse dich nur gehen, wenn du mich segnest. Darauf spricht der Fremde: «Du sollst nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel; denn du hast mit Gott und mit Menschen gekämpft und hast gewonnen» (Gen 32,29). Da geht Jakob auf, dass er mit dem Gott, der ihm versprochen hat, ihn auf seinem Weg zu begleiten, gekämpft hat. Gott ist tatsächlich den gesamten Weg mit Jakob mitgegangen. Gott hat ihn selbst durch auch Krisen und biographischen Brüche hindurchbegleitet. Und so ist Gott auch bei Jakob, als er sich letzten Endes mit seinem Bruder aussöhnt. Gott rechtfertigt Jakob nicht, sondern segnet ihn mit all seinen Unzulänglichkeiten. Er segnet seine Lebensgeschichte, die Jakob nicht ganz unbeschadet überstanden hat. Denn seit dem Kampf mit Gott hinkt er auf einem Bein. Der Segen Gottes bewirkt bei Jakob kein reibungsloses Leben. Er überspringt nicht mühelos die Hürden, auf die er immer wieder stösst. Jakob muss immer wieder tricksen, um durchzukommen. Das Leben hinterlässt Spuren. Und doch erkennt er im Nachhinein: Gott war immer bei mir.

In diesem Vertrauen, dass Gott das Hochzeitspaar auf seinem gemeinsamen Weg begleiten wird, spreche ich ihm den Segen zu. Der Segen ist Ausdruck der Hoffnung, dass Gott uns Menschen so annimmt, wie wir sind.

Ich glaube, dass Gott die Paare auf ihrem Lebensweg begleitet und dass sie im Vertrauen auf ihn Lebenskrisen annehmen (und meistern) werden. Gott ist für uns Menschen da trotz oder gerade wegen all der Brüche in unserer Biographie und trotz aller Fehler, die wir immer wieder begehen werden.

Der Segen Gottes bedeutet nicht, dass in unserem Leben alles gut wird, aber er ermöglicht es uns, im Vertrauen auf das Gute, das wir erlebt haben, zuversichtlich in die Zukunft zu blicken. Und, auch davon bin ich überzeugt, er gibt uns auch immer wieder die Kraft, andere mit ihren Fehlern anzunehmen und ihnen zu vergeben. Manchmal vielleicht sogar dem eigenen Ehepartner.

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